
Die gemeinsame Untersuchung liefert erstmals ein detailliertes Bild darüber, wo in Schweizer Spitälern die grössten Umweltwirkungen solcher Eingriffe entstehen – und wo sich diese reduzieren lassen. Damit schafft sie eine wichtige Grundlage für nachhaltigere Prozesse in hochspezialisierten medizinischen Bereichen, ohne Kompromisse bei Qualität und Patientensicherheit einzugehen.

Im Fokus der Analyse standen die beiden häufigsten Eingriffe im Herzkatheterlabor und in der interventionellen Radiologie: Herzkatheteruntersuchungen und Koronarinterventionen sowie die Behandlung verengter Oberschenkelschlagadern. Untersucht wurde der gesamte Lebenszyklus der Eingriffe, von Verbrauchsmaterialien und Medizintechnik über Energieverbrauch und Abfallentsorgung bis hin zur langfristigen Speicherung medizinischer Bilddaten.
Die Ergebnisse zeigen: Der grösste Teil des ökologischen Fussabdrucks entsteht nicht durch die Medizintechnik selbst, sondern durch die zahlreichen Verbrauchsmaterialien. Katheter, Elektroden, Handschuhe, sterile Abdeckungen und weitere Einwegprodukte verursachen rund 73 Prozent der gesamten Emissionen. Im Untersuchungsjahr wurden im KSB dafür über 224 000 Verbrauchsartikel aus rund 880 unterschiedlichen Materialtypen eingesetzt.
Die Analyse ergab, dass eine typische Intervention im Herzkatheterlabor einen Material-Fussabdruck von durchschnittlich 83,9 Kilogramm CO₂-Äquivalenten verursacht. Bei der häufigsten interventionell-radiologischen Behandlung liegt dieser Wert bei 89,9 Kilogramm CO₂-Äquivalenten.
Überraschend ist zudem der Beitrag der digitalen Infrastruktur: Die langfristige Speicherung medizinischer Bilddaten verursacht rund neun Prozent des gesamten CO₂-Fussabdrucks und liegt damit deutlich über dem Anteil der eingesetzten Medizintechnik (fünf Prozent).
Die Studie bestätigt gleichzeitig, dass das KSB bereits zahlreiche nachhaltige Massnahmen umgesetzt hat. Insgesamt identifizierte das Projektteam 38 bestehende «Good Practices». Dazu gehören eine konsequente Abfalltrennung, die Wiederverwendung nicht benötigter Teile aus Standardsets, optimierte Beschaffungsprozesse sowie effiziente klinische Abläufe.
Wer Prozesse kritisch hinterfragt, Ressourcen bewusst einsetzt und Verschwendung reduziert, verbessert häufig auch die Effizienz und Qualität der Versorgung.
Prof. Dr. med. Rahel Kubik, Chefärztin Radiologie und Direktorin des Departementes Medizinische Dienste am KSB
«Nachhaltigkeit und Spitzenmedizin schliessen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer Prozesse kritisch hinterfragt, Ressourcen bewusst einsetzt und Verschwendung reduziert, verbessert häufig auch die Effizienz und Qualität der Versorgung», sagt Prof. Dr. med. Rahel Kubik, Chefärztin Radiologie und Direktorin des Departementes Medizinische Dienste am KSB. «Wir haben mit dieser Studie die Voraussetzung geschaffen, um gezielt weitere Massnahmen in die Wege leiten zu können.»
Auf Basis der Ergebnisse wurden 32 Verbesserungspotenziale identifiziert. Dazu gehören die stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei Beschaffungen, der vermehrte Einsatz wiederverwendbarer Produkte sowie die Optimierung der langfristigen Datenspeicherung medizinischer Bilddaten, wo bei es insbesondere in diesem Bereich strenge regulatorischen
Vorgaben einzuhalten gilt.
Die Studie empfiehlt zudem, dass das KSB die Green-ID-Zertifizierung der European Society of Radiology anstrebt. Die Analyse zeigt, dass die Mindestvoraussetzungen dafür bereits weitgehend erfüllt sind. Die Zertifizierung ermöglicht es, Nachhaltigkeitsleistungen systematisch zu messen, mit anderen Spitälern zu vergleichen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Das Projekt, in das über zwei Dutzend Mitarbeitende involviert waren, ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie des KSB. Das Spital will nicht nur eine hochwertige medizinische Versorgung gewährleisten, sondern auch seinen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten – auch angesichts der Tatsache, dass das Gesundheitswesen weltweit rund 4,4 Prozent der Treibhausgasemissionen verursacht.
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