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5. Dezember 2022

Position des Kantonsspitals Baden

Tarife und Entschädigungen müssen angepasst werden

Oft wird das Kantonsspital Baden (KSB), das im Gegensatz zum KSA – Kantonsspital Aarau kein Impairment benötigt, mit dem KSA verglichen. Um trotz der unterschiedlichen Ausgangslagen die wirtschaftliche Existenz der beiden Spitäler sicherzustellen, besteht aus Sicht des KSB politischer Handlungsbedarf.

Nach dem Rekordjahr 2021, in dem so viele Patient:innen wie nie zuvor behandelt wurden, befindet sich das Kantonsspital Baden (KSB) auch 2022 auf Wachstumskurs: Im Notfallzentrum, über das 60 Prozent der stationären Patient:innen eintreten, beträgt die Zunahme 18 Prozent. Im laufenden Jahr wird sich die Anzahl der Patient:innen im Notfall somit auf rund 90 000 belaufen. Voll sind nebst dem Notfallzentrum auch die Bettenstationen. Obwohl das KSB keine Betten geschlossen und seine Infrastruktur (z. B. zusätzliche IPS-Betten und -Personal) kontinuierlich ausgebaut hat, stösst es vielfach an seine Kapazitätsgrenze.

Leistungsmässig steht das KSB einmal mehr vor einem Rekordjahr. So stark die Leistung, so bedenklich ist aber das finanzielle Ergebnis. Dem KSB wir es 2022 nicht gelingen, die vom Eigentümer geforderte EBITDA-Marge von mindestens zehn Prozent einzuhalten.

Im ambulanten Setting bewältigt das KSB seit Jahren Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich und setzt die politische Forderung «ambulant vor stationär» konsequent um. Leistungsmässig steht das KSB somit einmal mehr vor einem Rekordjahr.

So stark die Leistung, so bedenklich ist das finanzielle Ergebnis: Ohne dem Jahresabschluss 2022 vorgreifen zu wollen, kann bereits jetzt festgehalten werden, dass es dem KSB 2022 nicht gelingen wird, die vom Eigentümer geforderte EBITDA-Marge von mindestens zehn Prozent einzuhalten. Dieser Zielwert ist insofern von Bedeutung, als er Spitälern ermöglicht, Investitionen in Personal und Infrastruktur zu tätigen, um ihre Zukunft eigenständig gestalten zu können.

Folgende Gründe sind für die Verschlechterung der Rahmenbedingungen ausschlaggebend:

  • Die ambulanten und stationären Tarife sind seit Jahren grundsätzlich zu tief. Dazu kommt, dass die Tarife nicht automatisch an veränderte Marktsituationen angepasst werden.
  • Regulatorische Auflagen führen zu höheren Kosten für die Spitäler, ohne konkreten Nutzen für die Patient:innen. Jüngstes Beispiel: Die Berufsausübungsbewilligung für Ärzt:innen kostet allein das KSB eine sechsstellige Summe.
  • Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, sind die Gesundheitsinstitutionen verpflichtet, in ihr Personal zu investieren. Das KSB hat seine Lohnsumme im Rahmen der Lohnrunden mit den Sozialpartnern seit 2012 kontinuierlich erhöht. Nächstes Jahr investiert es acht Millionen Franken zusätzlich in sein Personal.
  • Die Teuerung von Einkaufsgütern und die Energiekrise treffen die Spitäler besonders hart. Allein für die Stromkosten bezahlt das KSB 1,3 Millionen Franken zusätzlich.

Das KSB bedauert, dass die Aspekte der Leistungsfinanzierung bei den aktuellen politischen Diskussionen rund um die Sanierung des KSA – Kantonsspital Aarau kaum zur Sprache kommen.

Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass es dem KSB gelingt, auch im 2022 schwarze Zahlen zu schreiben. Eine EBITDA-Marge von zehn Prozent oder mehr bleibt aber illusorisch. Um die Rahmenbedingungen zu optimieren und weiterhin über eine gesunde finanzielle Basis zu verfügen, wünscht sich das KSB daher politischen Support. Konkret:

  • Die ambulanten und stationären Tarife sollten dringend linear um rund fünf Prozent erhöht und inflations-indexiert werden.
  • Die Entschädigungen für gemeinwirtschaftliche Leistungen (GWL) sollten im Aargau zumindest dem nationalen Durchschnitt entsprechen.

Das KSB bedauert, dass die Aspekte der Leistungsfinanzierung bei den aktuellen politischen Diskussionen rund um die Sanierung des KSA kaum zur Sprache kommen. Denn nur mit einer adäquaten Finanzierung der Leistungen kann die Basis geschaffen werden, damit die Führungsgremien der beiden Akutspitäler im Aargau ihre Häuser in eine finanziell nachhaltige Zukunft führen können.

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