
Psychische Gesundheit hat in allen Lebensbereichen an Relevanz gewonnen – sichtbar in der öffentlichen Debatte, aber auch an der stark gestiegenen Nachfrage psychiatrischer und psychosozialer Angebote. Die Stiftung Pro Mente Sana sieht das insbesondere bei der Inanspruchnahme ihrer Beratung. Die Ursachen für die psychische Belastung der Schweizer Bevölkerung sind vielfältig: Arbeitsverdichtung, permanente Reizüberflutung, Leistungsdruck und globale Unsicherheiten. Dabei wirkte die Pandemie als Katalysator – besonders bei jungen Menschen.
Trotz der offeneren Debatte bestehen weiterhin starke Stigmata – vor allem gegenüber Menschen mit schweren psychischen Belastungen oder Erkrankungen. Beispielsweise hat der Wunsch nach sozialer Distanz gegenüber Menschen mit Schizophrenie oder Borderline in den letzten 30 Jahren zugenommen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Die aktuelle Lage zeigt strukturelle Spannungsfelder: zu wenig Personal, zu lange Wartezeiten, zu starre Strukturen. Der Ausbau hält nicht Schritt – auch hohe Investitionen konnten den Rückstand nicht ausgleichen. Besonders beunruhigend ist die Lage in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch die hohen Raten an Zwangsmassnahmen im Erwachsenenbereich sind ein Alarmzeichen. Früherkennung, personenzentrierte und recoveryorientierte Ansätze (z.B. gemeindenahe Angebote, vgl. die WHO Guidance) mit Fokus auf soziale Faktoren und Befähigung sowie niederschwellige Angebote sind notwendig. Bei allen Massnahmen sollten Betroffene miteinbezogen werden.
Zudem bleibt es wichtig, in die Bereiche Gesundheitsförderung, Prävention und Früherkennung zu investieren. Pro Mente Sana fördert die psychische Gesundheit mit der Kampagne «Wie geht’s dir?» und bietet Schulen und Betrieben hilfreiches Material. Mit dem Programm «ensa – Erste Hilfe für psychische Gesundheit» bietet die Stiftung ferner eine Schulung an, die es erlaubt, psychische Probleme bei Angehörigen, Freund:innen oder Arbeitskolleg:innen rechtzeitig zu erkennen, auf die Menschen zuzugehen und Hilfe anzubieten. Denn je länger man wartet, desto mehr spitzen sich die Probleme zu. Die Situation ist komplex – und ihre Verbesserung erfordert gemeinsame Anstrengungen von Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und dem Gesundheitswesen.
Beitragsbild: Die Ursachen für die psychische Belastung der Schweizer Bevölkerung sind vielfältig: Arbeitsverdichtung, permanente Reizüberflutung, Leistungsdruck und globale Unsicherheiten. (Foto: Canva)