
«Frühzeitige Interventionen verhindern die Entstehung schwerer psychischer Störungen und die damit einhergehenden negativen Folgen», sagt PD Dr. med. Lars Wöckel, Chefarzt der Psychiatrie für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene an der ipw. Ein frühzeitiges Eingreifen ermögliche Kindern und Jugendlichen zudem den Aufbau sozialer und emotionaler Fähigkeiten und fördere damit die allgemeine Entwicklung des Kindes.

Die Tagesklinik in Winterthur behandelte bis anhin Jugendliche ab 14 Jahren. Ergänzend bietet die Tagesklinik neu diagnostische Abklärungen und Therapie für Kinder ab zehn Jahren an.
Eine frühzeitige Behandlung von Kindern fördert eine stabile und gesunde Entwicklung und soll einer Chronifizierung vorbeugen.
Häufige psychiatrische Themen im Kindesalter zeigen sich zum Beispiel in depressiven Symptomen, Ängsten, Problemen beim Schulbesuch sowie in Störungen im Zusammenhang mit der Aufmerksamkeit. «Eine frühzeitige, psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung von Kindern in diesem Alter fördert eine stabile und gesunde Entwicklung und soll einer Chronifizierung vorbeugen», meint Lars Wöckel.
Ein interdisziplinäres Behandlungsteam bietet den Kindern einen strukturierten Rahmen, in dem sie den Umgang mit Belastungen erlernen, ihre sozialen Kompetenzen entwickeln und ihr Selbstvertrauen stärken können. Die Kinder besuchen täglich die Klinikschule. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Sorgeberechtigten, der Herkunftsschule und den zuweisenden Fachpersonen ist ein wichtiger Baustein im Behandlungsprozess. Bereits während der teilstationären Behandlung wird ein regelmässiger Besuch der Herkunftsschule angebahnt.
Das Ziel ist, die Symptome zu verbessern und den Umgang damit zu erlernen, alltägliche Fertigkeiten zu trainieren und die soziale Integration zu fördern. Die Kinder sollen wieder in ihr Umfeld und ihre Herkunftsschule zurückkehren können. In manchen Fällen kann auch ein Wechsel auf eine andere Schule sinnvoll sein.
Die ipw arbeitet mit dem Prinzip der integrierten psychiatrischen Versorgung. Ziel ist es, Patient:innen jederzeit lückenlos in einem passenden Behandlungsumfeld zu betreuen und zu begleiten. «Dies gelingt dank erfahrenen und interdisziplinären Teams, die mit ihren unterschiedlichen fachlichen Hintergründen verschiedene Perspektiven in die Behandlung einbringen können», erklärt Lars Wöckel. Betroffene erhalten damit bei der ipw nicht nur in akuten Krisen Hilfe, sondern auch langfristige Unterstützung bei der grundsätzlichen Bewältigung ihrer Erkrankung.
Die interdisziplinären Teams bringen ihre jeweiligen fachlichen Perspektiven ein und ermöglichen so eine umfassende und ganzheitliche Betrachtung der individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der Patient:innen. Individuelle Therapieziele werden erarbeitet und regelmässig überprüft. In interdisziplinären Fallbesprechungen wird der Therapieverlauf reflektiert und auf dieser Grundlage werden die Behandlungspläne fortlaufend angepasst.
Auch Angehörige spielen eine entscheidende Rolle beim Behandlungserfolg – bei Erwachsenen wie auch bei Kindern. Eltern und andere wichtige Bezugspersonen sind ein zentraler Bestandteil des Behandlungsprozesses mit Kindern und Jugendlichen und werden daher, wenn immer möglich, in die Therapie einbezogen. Mit Informationen und Unterstützung hilft ihnen die ipw zudem, die herausfordernde Begleitung ihres Kindes besser zu bewältigen.
Eine grosse Herausforderung stellt allerdings die Finanzierung dar, da das heutige Gesundheitssystem auf höhere Abgeltungen stationärer Behandlungen ausgerichtet ist. So sind ambulante, tagesklinische und aufsuchende Angebote tendenziell unterfinanziert, obwohl sie für die Patient:innen oft eine zielführende Lösung darstellen. Psychiatrische Institutionen wie die ipw sind daher auf kantonale Subventionen angewiesen.
«Unabhängig von der Finanzierung sollten Menschen mit psychischen Erkrankungen diejenige Unterstützung bekommen, die ihnen in ihrer jeweiligen Situation am besten hilft», sagt Lars Wöckel abschliessend.
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