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4. Oktober 2022

Patientenpfad im Focus

H+ Beitrag

Die komplexe Anwendung der Indikationsqualität

Die Indikationsqualität ist aufgrund ihrer Komplexität nicht direkt messbar. Dennoch ist es möglich mit Qualitätsverbesserungsmassnahmen indirekt zu einer guten Indikationsqualität beizutragen.
Competence Isabelle Praplan

Autorin

Isabelle Praplan

Fachverantwortliche Qualität und Patientensicherheit, H+ Die Spitäler der Schweiz

isabelle.praplan@hplus.ch

Die Ärzteschaft stellt heutzutage die Indikation meist nicht allein, sondern die Patient:innen teilen ihre Erwartungen mit. Die Erfahrung und das Wissen der Ärzteschaft, aber auch die Symptomatik sowie die individuellen Werte, Bedürfnisse und Präferenzen der Patient:innen beeinflussen die Indikation. Weitere Einflussfaktoren sind wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Anreize und Innovationen.

H+ empfiehlt, die Indikationsqualität in Kombination mit weiteren Dimensionen der Qualität zu beurteilen.

Aufgrund der zahlreichen medizinischen und patient:innen-bezogenen Einflussfaktoren ist die Indikationsqualität bei vielen Krankheitsbildern nur eingeschränkt mess- und vergleichbar. H+ empfiehlt darum, die Indikationsqualität in Kombination mit weiteren Dimensionen der Qualität zu beurteilen. So wird es für Spitäler und Kliniken möglich, Hinweise auf Verbesserungspotenziale zu erhalten.

Bereits heute sind in den Spitälern und Kliniken verschiedene Qualitätsprogramme etabliert, die indirekt zu einer guten Indikationsqualität beitragen. Dabei handelt es sich oftmals nicht um klassische Messungen. Spitäler und Kliniken können die Qualität der Indikationsstellung beispielsweise durch Analyse und Diskussion von Patientenfällen mithilfe verschiedener Verfahren hinterfragen und verbessern, zum Beispiel mit interprofessionellen Peer Review-Verfahren, Mortalitäts- und Morbiditäts-Konferenzen, Tumor- oder Indikationsboards etc. H+ unterstützt Kliniken und Spitäler dabei, diese Best Practices zu fördern und prüft, inwiefern die verschiedenen Programme besser vernetzt werden könnten. Ziel von H+ ist es, dass die Programme bestmöglich den Patient:innen zugutekommen und die Behandlungsqualität verbessern.

Analysen zur Indikationsqualität von Patientengruppen und Institutionen sollten von den Verantwortlichen mit Vorsicht beurteilt und als Kriterium für weiterführende Analysen verwendet werden.

Indikatoren zur Indikationsqualität sind lediglich eine Annäherung an die Realität. Analysen zur Indikationsqualität von Patientengruppen und Institutionen sind zwar wünschenswert, sollten von den Verantwortlichen jedoch mit Vorsicht beurteilt und als Kriterium für weiterführende Analysen verwendet werden, z. B. indem die Ergebnisse in weiterführende Quailtätsverbesserungsmassnahmen einfliessen.

Fälschlicherweise wird Indikationsqualität oft im Zusammenhang mit Kosteneinsparungen und der Steuerung der (Über-)Versorgung erwähnt. H+ sieht die Indikationsqualität jedoch als wichtigen Aspekt in der medizinischen Versorgung. Spitäler und Kliniken sollten diejenigen Fehlanreize, die eine Überversorgung begünstigen, minimieren. Für die Spitalplanung können die Spitäler und Kliniken Indikatoren zur Indikationsqualität im Zusammenspiel mit solchen zur Ergebnisqualität verwenden.

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