
Die bisher für 2025 publizierten Abschlüsse vieler Schweizer Spitäler wirken auf den ersten Blick ermutigend. Zahlreiche Häuser verzeichnen bessere Ergebnisse und steigende Margen. Daraus bereits eine finanzielle Gesundung oder eine Trendwende abzuleiten, greift jedoch zu kurz. Die Verbesserungen werden oft durch Einmaleffekte, Erträge aus früheren Jahren oder höhere Fallzahlen begünstigt – und beruhen noch nicht durchgehend auf einer dauerhaft tragfähigen Ertragsbasis.
Gerade in der anlagen- und kapitalintensiven Akutsomatik sind zu tiefe Gewinnmargen langfristig problematisch. Spitäler müssen im Kerngeschäft genügend Mittel erwirtschaften, um Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und medizinische Innovationen zu finanzieren und eigenständig Reserven aufzubauen. Deshalb gilt seit Jahren eine EBITDAR-Zielgrösse von 10 Prozent als strategische Zielmarke. Gemäss den jüngsten PwC-Berechnungen dürfte die Zielmarge wegen des hohen Investitionsbedarfs in die Digitalisierung künftig zumindest temporär auf 12 bis 14 Prozent steigen. Erreichbar werden solche Werte durch Produktivitätssteigerungen unter anderem dank dieser Investitionen.
Die aktuellen Abschlüsse verdeutlichen, wie stark Einmaleffekte das Bild verzerren können. Bei der Insel Gruppe trugen unter anderem die Auflösung von Rückstellungen im Zusammenhang mit der Vollkapitalisierung der Bernischen Pensionskasse (BPK) in der Höhe von 49,6 Millionen Franken, Tarifverhandlungslösungen mit Versicherern sowie eine höhere Kantonsabgeltung für die ärztliche Weiterbildung wesentlich zum Ergebnis bei. Beim Kantonsspital Winterthur führten Tarifnachverrechnungen für die Jahre 2020 bis 2024 von 37,9 Millionen Franken dazu, dass die EBITDAR-Marge von 12,3 Prozent deutlich über dem Vorjahreswert liegt.
Auch andere grosse Häuser erzielen bessere Ergebnisse, bleiben aber weiterhin klar unter der anzustrebenden EBITDAR-Zielmarge von 10 Prozent: Das Kantonsspital Baden (6,8%), die Spitäler Schaffhausen (6,7%) und das Stadtspital Zürich (5,9%) liegen trotz operativer Verbesserungen unter den für eine langfristige Selbstfinanzierung nötigen Werten. Die Thurmed Gruppe (11,4%) erreichte hingegen wie im Vorjahr eine EBITDAR-Marge oberhalb des Zielwerts.
Die verbesserten Ergebnisse 2025 sind ein wichtiges Signal. Eine erste PwC-Stichprobe zeigt: Bei 27 Spitälern mit bereits verfügbaren Zahlen¹ stieg die EBITDAR-Marge von 5,9 Prozent im Jahr 2024 auf 7,4 Prozent im Jahr 2025. Von einem Wendepunkt mit ausreichender Profitabilität für die gesamte Branche kann jedoch noch keine Rede sein. Viele Spitäler erzielen Fortschritte bei Effizienz, Produktivität, Steuerung und Auslastung. Diese Anstrengungen müssen weitergeführt werden. Gleichzeitig bestätigt sich die zentrale Erkenntnis aus den langjährigen PwC-Analysen: Die strukturelle Unterdeckung im System bleibt bestehen.
Für eine nachhaltige Stabilisierung braucht es daher beides: weitere Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen der Spitäler sowie eine Finanzierung, die den tatsächlichen Kosten- und Investitionsbedarf realistisch abbildet. Solange dies fehlt und bessere Abschlüsse Druck auf die Tarifentwicklung auslösen, bleiben positive Abschlüsse fragil oder durch Sondereffekte überzeichnet.
1Die vollständige PwC-Auswertung für 2025 folgt im weiteren Jahresverlauf.
Quellenbasis: PwC, Schweizer Spitäler: So gesund waren die Finanzen 2024 (2025); PwC/H+, Zukunftsperspektiven für die Spitallandschaft Schweiz (2025); Offizielle Geschäftsberichte und Medienmitteilungen 2025 von verschiedenen Schweizer Spitälern
Beitragsbild: Canva