
In vielen Schweizer Spitälern verschärft sich die wirtschaftliche Situation. Damit nehmen auch die Spannungen zu, wenn es darum geht, bei begrenzten Klinikressourcen eine bestmögliche Patientenversorgung zu gewährleisten. Das Primat des Patientenwohls stellt für die Spitäler aus interprofessioneller Sicht eine zentrale ethische Orientierung und eine unternehmerisch relevante Zielgrösse dar.
Das Spitalmanagement kann nicht im Alleingang neue Unternehmensstrategien planen, höhere Qualitätserwartungen erfüllen und wirksame patientenzentrierte Versorgungsprozesse organisieren. Hierzu braucht es die Beteiligung von Kliniker:innen. Der Umgang mit ethischen Themen hat Einfluss auf die Beschäftigten im Spitalalltag: Das Arbeitsklima, die gelebte Unternehmenskultur, die Arbeitsmotivation und eine geringe Personalfluktuation sind wichtige Erfolgsfaktoren von Spitälern.
Neben der organisationalen Struktur verfügen Spitäler über eine normative Unternehmensstruktur. Hierzu zählen u. a. das Unternehmensleitbild, Corporate-Governance‐Regeln, Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Digital Responsibility (CDR) sowie Compliance‐Regelwerke. Diesen typischen Instrumenten guter betriebswirtschaftlicher Unternehmensführung steht jedoch häufig kein adäquates Instrument guter medizinischer Unternehmensführung gegenüber.
Klinische Versorgungsqualität, Therapie-Outcome und medizinethische Werte sind wichtige Bestandteile ärztlichen Handelns. Sie sind relevant für die Ergebnisse und den Ruf der Spitalunternehmen. Deshalb sollte Medical Corporate Governance (MedCG) die Integration ärztlicher Führungspersonen in die Unternehmensführung anstreben und damit die Spital-Governance ergänzen.
Häufig stellen die Spitalleitung und der Spitalträger ökonomische, führungsbezogene und unternehmerische Erwartungen an die ärztlichen Führungspersonen. Ziel der MedCG ist es, diese Kliniker:innen dabei zu unterstützen, die betriebswirtschaftlichen Entscheidungsprozesse des Spitals mit einer medizinethischen Perspektive zu komplettieren.
Die kaufmännischen Leitungsgremien des Spitals benötigen die fachliche und die versorgungsethische Expertise ärztlicher Führungskader in zahlreichen Managemententscheidungen:
Die Implementation eines MedCG-Ansatzes hilft, die fachlichen und normativen Erfordernisse erfolgreicher klinischer Patientenversorgung in betriebliche Managementprozesse zu integrieren.
Die Reputation ist für Spitäler von grosser Bedeutung – und eine medizinisch erfolgreiche und medizinethisch fundierte Patientenversorgung ist eine Grundbedingung für dauerhaften ökonomischen Erfolg. Die MedCG bedeutet dabei nicht nur, dass Führungskader optimiert interprofessionell zusammenarbeiten, sondern erlaubt es bei Bedarf auch, in der gemeinsamen Sache besser, weil effizienter zu streiten.
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