
Am 5. Mai 2026 fand in den Räumlichkeiten des Réseau hospitalier neuchâtelois (RHNe) in Pourtalès das RegioMeeting Romandie von H+ statt. An diesem Treffen nahmen zahlreiche Vertreter:innen aus dem Spitalsektor und den Behörden teil, um über die Zukunft des Gesundheitssystems zu diskutieren. Weitere RegioMeetings fanden auch in der Deutschschweiz und im Tessin statt.
Anne-Geneviève Bütikofer sagte einleitend: «Das Ziel ist es, die Strategie 2030+ umzusetzen, damit sie nicht nur auf dem Papier steht.» Aus Sicht der Direktorin von H+ liegt die Verantwortung bei allen: «Wie organisieren wir uns, wie arbeiten wir zusammen, wie positionieren wir uns? Das liegt in unserer Verantwortung.»
Mit Verweis auf die von H+ in Auftrag gegebene PwC-Studie betonte Bütikofer das Potenzial einer besseren Koordination: «Wir könnten mehrere Tausend Vollzeitäquivalente einsparen und diese sinnvoller im System reinvestieren.» Die Leistungsverteilung (komplexe Operationen, 24-Stunden-Betreuung, gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen usw.) muss ihrer Meinung nach gemeinsam von den Einrichtungen geregelt werden: «Diese Umstrukturierung darf nicht von oben verordnet werden.»
Diese Einschätzung teilte auch Dr. Gianni Rossi: «Eine Transformation der Spitallandschaft ist notwendig, und zwar nicht nur im kleinen Rahmen.» Angesichts der angespannten finanziellen Lage warnt der Vizepräsident von H+: «Die Hälfte der Spitäler schreibt rote Zahlen. Dem System fehlen jedes Jahr 1,2 Milliarden Franken.» Hinzu kommt ein besorgniserregender Personalmangel: Bis 2045 werden fast 28 700 zusätzliche Mitarbeitende benötigt. «Es ist unmöglich, so wie bisher weiterzumachen», betonte er in Neuenburg.
Für H+ stehen zwei Prioritäten im Vordergrund: eine gerechte Finanzierung zu gewährleisten und die ambulante Versorgung zu fördern. «Wir brauchen ein System, das Qualität und Effizienz belohnt. Heute wird die ambulante Versorgung noch zu oft benachteiligt.»
Wir fordern nicht nur Wandel, wir setzen ihn auch um.
Dr. Gianni Rossi, H+ Vizepräsident
Pierre Alain Schnegg, Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, erinnerte in Neuenburg an die zentrale Rolle der Kantone: «Die Spitalversorgung fällt unter ihre verfassungsmässige Pflicht.» Er betonte jedoch die Notwendigkeit einer verstärkten Koordination, die insbesondere von der GDK unterstützt wird. Der Trend zur Spitalkonzentration ist bereits im Gange: «Wir sind von 370 Spitälern im Jahr 2000 auf 270 im Jahr 2024 gesunken», erinnerte er. Im Kanton Bern wurden kürzlich drei stationäre Standorte geschlossen, eine Entwicklung, die «von der Bevölkerung besser verstanden wird als von manchen politischen Entscheidungsträgern».
Diese Umstrukturierung ziele insbesondere darauf ab, die Qualität zu stärken, indem komplexe Behandlungen gebündelt werden. Sie stellt aber auch grosse Herausforderungen, insbesondere an die medizinische Ausbildung: «Die Spitallandschaft zu verändern bedeutet auch, die Ausbildung zu verändern», erinnerte Schnegg. Um dem gerecht zu werden, habe Bern eine Weiterbildungspflicht für alle Einrichtungen eingeführt, verbunden mit einem Solidaritätsmechanismus.
Auch das Thema der ambulanten Versorgung stand im Zentrum der Diskussionen. «Der Handlungsspielraum ist gross», meinte Pierre Alain Schnegg, der in den ambulanten Zentren einen Hebel sieht, um die Spitäler zu entlasten und die personellen Ressourcen zu optimieren. Über die Strukturen hinaus müsse sich die gesamte Logik der Versorgung weiterentwickeln, mit einer besseren Verteilung der Patient:innen auf Fachzentren und Einrichtungen in ihrer Nähe.
Der Tag wurde mit Workshops fortgesetzt, die sich mit konkreten Fallbeispielen aus der Romandie befassten, gefolgt von einer Networking-Runde. Die Teilnehmenden bekundeten den Wunsch, diesen Austausch in regelmässigen Abständen fortzusetzen.
«Die Strategie 2030+ kann nur gelingen, wenn die Spitäler und Kliniken uns bei der Umsetzung unterstützen», betonte Anne-Geneviève Bütikofer abschliessend.
Beitragsbild: Muriel Chavaillaz