
Der Bundesrat erklärt in seinem Bericht zum Postulat (24.3014) einen automatischen Teuerungsausgleich bei Tarifen für «nicht sachgerecht», da das Gesetz einen solchen nicht vorsieht und der Teuerungsausgleich aus seiner Sicht im Rahmen der Verhandlungen zwischen den Tarifpartnern geregelt werden muss. Damit blendet der Bundesrat aus Sicht von H+ einen Haupttreiber der Finanzierungskrise der Spitalbranche aus: Tarife, die der Inflation hinterherhinken, zementieren die Unterfinanzierung.
Die Erfahrung zeigt, dass die mit den Versicherern verhandelten Tarife die Teuerung weder verlässlich noch rechtzeitig abbilden. Ohne kostendeckende und automatisch an die Teuerung angeglichene Tarife drohen Versorgungsabbau und ein Transformationsstau – ausgerechnet in einer Phase, in der Ambulantisierung und demografischer Wandel enorme Anpassungen verlangen.
Der Bundesrat verschliesst in seinem Bericht die Augen vor den Tatsachen. In der Realität führt das Ausbleiben eines garantierten Teuerungsausgleichs direkt in die Unterfinanzierung – und damit zu einer Gefährdung der Spitalversorgung.
Anne-Geneviève Bütikofer, Direktorin von H+
Anders als andere Branchen können Spitäler und Kliniken ihre Preise nicht frei festlegen, ihre Kosten steigen aber mit Personal-, Energie- und Materialpreisen. Die Folge ist eine wachsende Schere zwischen Teuerung und Tarifen. Die PwC-Studie zur Spitallandschaft der Zukunft vom November 2025 belegt klar, dass die Tarife hinter der Teuerung hinterherhinken. Besonders markant: Zwischen 2020 und 2024 stieg die Teuerung um 6,8 Prozent, die Tarife stiegen lediglich um 2,6 Prozent.
«Der Bundesrat verschliesst in seinem Bericht die Augen vor den Tatsachen. In der Realität führt das Ausbleiben eines garantierten Teuerungsausgleichs direkt in die Unterfinanzierung – und damit zu einer Gefährdung der Spitalversorgung», macht Anne-Geneviève Bütikofer, Direktorin von H+, deutlich. Eine vollständige Anpassung der Tarife an die Teuerung ist auf dem aktuellen Weg über Tarifverhandlungen schlicht nicht realistisch, da der Handlungsspielraum der Spitäler und Kliniken sehr begrenzt ist. Umso wichtiger ist es, dass das Parlament der Motion 24.3081 von Ständerat Damian Müller zustimmt, welche eine Anpassung der Tarife an die Teuerung vorsieht.
Die Konsequenzen sind klar bezifferbar: rund 25 Prozent Unterfinanzierung im ambulanten Bereich und rund 10 Prozent im stationären Bereich. Das erschwert nötige Investitionen, verschärft den Druck auf die ohnehin knappen Fachkräfte und erhöht das Risiko, dass Leistungen abgebaut oder Standorte geschwächt werden – mit Folgen für Patient:innen.
Wer eine konsequente Ambulantisierung politisch will, muss sie tariflich ermöglichen. Ohne faire, an die Teuerung angepasste Tarife, wird der notwendige Wandel unmöglich.
Anne-Geneviève Bütikofer, Direktorin von H+
Die Schweiz braucht Spitäler und Kliniken, die den Umbau zur Spitallandschaft der Zukunft vorantreiben: mehr ambulante Versorgung, neue Versorgungsmodelle, Digitalisierung. «Wer eine konsequente Ambulantisierung politisch will, muss sie tariflich ermöglichen. Ohne faire, an die Teuerung angepasste Tarife, wird der notwendige Wandel unmöglich», so Anne-Geneviève Bütikofer.
H+ fordert eine verbindliche und transparente Indexierung der Tarife, damit Kostenentwicklungen nicht in Blockaden, Verfahren und Verzögerungen enden. Das schafft Planbarkeit für die Versorgung – und die nötige Investitionsfähigkeit für die weitere Transformation.
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