
Wir konnten unser Resultat durch zwei Massnahmen nachhaltig beeinflussen, mit einem professionellen Ertragsmanagement und einem weitsichtigen Kapazitätsmanagement.

Wir haben versucht, unsere Leistungen so schlank wie möglich zu erbringen, korrekt zu dokumentieren und vollständig abzurechnen. Es gab beispielsweise zu viele Leistungen, die wir «gratis» erbrachten.
Wenn beispielsweise die Überwachung von Schmerzpatient:innen nach einer Infiltration mit sentzündungshemmenden Substanzen durch qualifiziertes Personal geschieht, können wir diese Leistung zusätzlich in Rechnung stellen. Bei solchen und ähnlichen Fällen hat sich gezeigt, dass uns beträchtliche Erträge entgangen sind, weil wir nicht optimal abrechneten.
Es geht darum, die im Spital anwesenden Mitarbeitenden wertschöpfend einsetzen. Die Auslastung der betriebenen Betten betrug in der Akutpflege im Jahr 2024 zwischen 55 und 147 Prozent.
In kleinen Spitälern wie dem Kantonsspital Uri treten rund 70 Prozent der Patient:innen über den Notfall ein. Um unsere Leistungen in diesem volatilen Umfeld effizient zu erbringen und nachhaltig Kosten zu senken, sind wir stark auf die Flexibilität unseres Personals angewiesen.
Es war wichtig, die flexiblen Arbeitszeiten sozialpartnerschaftlich zu regeln.
Es war zentral, die Fälle zu regeln, in denen bei niedrigen Patientenzahlen Personal nach Hause geschickt wird bzw. wenn das Personal bei Spitzen in den Dienst gerufen wird. Diese und ähnliche Fragen konnten wir sozialpartnerschaftlich in einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) regeln, der 2025 in Kraft getreten ist. Der GAV schafft Vertrauen und es kommt seither seltener zu Situationen, in denen Personal im Haus ist, das nichts zu tun hat. Dasselbe gilt für die OP-Säle und alle Supportprozesse.
Wir sind weitgehend papierlos unterwegs, und konnten in den vergangenen Jahren viele Prozesse automatisieren und beschleunigen so auch mit einer KI-unterstützte Codierung. Grosse Erleichterungen gibt es ferner im Berichtswesen und in weiteren Supportprozessen wie dem Beschaffungswesen, der Leistungserfassung oder der Abrechnung von Leistungen.
Die Spitalfinanzierung ist so gestaltet, dass kaum Geld für Innovationen bleibt.
Die Spitalfinanzierung ist so ausgestaltet, dass kaum Geld für Innovationen bleibt. Damit wird der Innovationsgeist unterdrückt, was langfristig gesehen ein grosses Problem darstellt. Und es gibt rechtliche Hürden beim Datenschutz, die nicht innovationsförderlich sind.
Aufgrund des Neubaus stieg unsere Miete innerhalb eines Jahres um fast das Doppelte auf nun 4,8 Millionen Franken. Der Abschluss des GAV führte zu einer Kostensteigerung von bis zu 2,85 Millionen Franken. Zusammengezählt sind das 50 Vollzeitstellen, welche wir über Effizienzsteigerungen wettmachen müssen. Das ist bei 470 Vollzeitstellen unrealistisch. Daher ist eine Erhöhung der finanziellen Unterstützung gerechtfertigt.

Wir müssen in der neuen, modernen Infrastruktur Leistungen erbringen, die im kantonalen Leistungsauftrag vorgegeben und von der Bevölkerung erwünscht sind. Konkret haben wir eine erweiterte spitalbasierte Grundversorgung zu erbringen, mit Ausnahme der Ophtalmologie – so auch in der Geburtshilfe, Traumatologie und Unfallchirurgie, die von uns beträchtliche Vorhalteleistungen erfordern.
In einem kleinen Spital geht es weniger um die Frage, welche Leistungen aus Kostengründen nicht mehr erbracht werden sollen, sondern vielmehr darum, welche Leistungen zusätzlich möglich sind. Dies hat mit der Fixkostenproblematik zu tun.
Kleine Spitäler wie Uri haben hohe Fixkosten, können aber ihr Potenzial aufgrund des begrenzten Einzugsgebiets nicht voll ausschöpfen.
In seiner modernen Infrastruktur könnte das KSU vielmehr Patient:innen ohne nennenswerte zusätzliche Kosten betreuen, was aber aufgrund des kleinen Einzugsgebietes nur beschränkt möglich ist. Peripher gelegene Häuser bleiben daher auf den Fixkosten sitzen. Die fragwürdige Tarifsystematik mit dem 25-igsten Kostenperzentil fällt deshalb für sie besonders ins Gewicht.
Die Stellen im KSU sind mit wenigen Ausnahmen besetzt und wir müssen weder OPs absagen noch Betten schliessen. Das Personal bilden wir selbst aus und haben rund 80 Lernende und 50 Personen im Studium, inklusive Assistenzärzt:innen. Seit über zehn Jahren ziehen wir unsere Mitarbeitenden bei möglichst vielen Fragen direkt bei – vermitteln dadurch Wertschätzung und profitieren von ihrem grossen Wissen.
Gewinn zu schreiben ist nur möglich, wenn die Mitarbeitenden mitmachen – dies gilt insbesondere für kleine Spitäler, angesichts der erdrückenden Fixkosten.
Wir brauchen die Unterstützung der Politik, nicht nur aus finanzieller Sicht. Mindestens so wichtig ist, dass die Bedeutung und die Bedürfnisse der kleinen Spitäler in der Gesetzgebung berücksichtigt werden. Notwendig ist zudem eine vertiefte Zusammenarbeit mit den Zentrums- und Universitätsspitälern, mit einer spitalbasierten Grundversorgung in den Regionen und spezialisierter Medizin in den Zentren. Die Arbeitsplätze in den Spitälern sollten ähnlich gestaltet sein, um den Austausch zu erleichtern, ferner gilt es, die Ausbildungen aufeinander abzustimmen, Standardprozesse zu vereinheitlichen und gemeinsame Verlegungskonzepte zu erstellen.
Neben finanzieller Unterstützung braucht es eine Gesetzgebung, welche die Bedeutung und Bedürfnisse kleiner Spitäler berücksichtigt.
An erster Stelle braucht es eine Unternehmenskultur, die Optimierungen aller Art zulässt. Ohne diese Kultur scheitern Betriebe, insbesondere die kleinen Spitäler, weil die Fixkosten erdrückend sind. Gewinn zu schreiben ist ihnen nur möglich, wenn die Mitarbeitenden mitmachen.
Offene Firmenkultur und Infrastruktur
Das Kantonsspital Uri (KSU) hat am 8. April 2020 als eines der ersten Schweizer Spitäler die Du-Kultur eingeführt, ein zentrales Element der Unternehmenskultur. Seit 2021 wird intern fast ausschliesslich mit einer App kommuniziert, einer Mischung aus Instagram und Whatsapp. Damit erreicht die Spitalleitung jede Woche 85 Prozent der Mitarbeitenden mit wichtigen Infos, und natürlich auch umgekehrt. Am KSU wurde mit dem Neubau die zugeteilte Infrastruktur abgeschafft. Es gibt keine zugewiesenen Büros, keine Einzelbüros mehr, keine zugewiesenen Behandlungszimmer¹ und kein zugewiesenes Equipment und Personal. Das Spitalpersonal arbeitet also in einer Arbeitswelt mit offenen Strukturen. Auf 1200 Quadratmetern gibt es 85 Arbeitsplätze und zahlreiche Sitzungszimmer, Rückzugsräume, Telefonkabinen oder Lounge-Zonen für Ärzt:innen und Personen der Supportprozesse. Diese stehen für das gesamte Personal unabhängig von der Funktion, Rolle und Hierarchie bereit.
1 Jene Räume, in welchen die Indikationssprechstunden und maximal auch kleine Behandlungen stattfinden. OP-Säle sind damit nicht gemeint.
Beitragsbild: Offene Arbeitswelten des Kantonsspitals Uri, hier im Bürobereich (Foto: @Valentin Luthiger)