Junge Ärztinnen setzen Innovationsimpulse Vsao, Canva
Competence Readtime3 min
10. Februar 2026

Focus

Neue Ärztegeneration

Junge Ärzt:innen setzen Innovationsimpulse

Junge Ärzt:innen in die Weiterentwicklung der Spitäler und des Spitalsystems einzubeziehen, kann frische Ideen und Verbesserungsvorschläge ermöglichen.
Competence Thomas Kapitza

Autor

Dr. sc. med. Dipl.-Kfm. (Univ.)

Thomas Kapitza

Leiter des Medicine & Economics Ethics Lab, IBME, Universität Zürich

thomas.kapitza@ibme.uzh.ch

Autor

Dr. med.

Philipp Rahm

Leitender Arzt, Interdisziplinäres Notfallzentrum, Kantonsspital Baden, Dienstplanberater vsao

philipp.rahm@ksb.ch

Wenn Ärzt:innen die ersten Berufsjahre im Spital absolvieren, kann es für sie herausfordernd sein, sich an die gegebenen Abläufe anzupassen – wenn die eigene Leistungsbereitschaft auf fachliche Leistungsanforderungen, und persönliche Erwartungen auf eine vorgegebene Arbeitsorganisation und eine gewachsene Spitalkultur treffen.

Der vsao informiert: Hilfe für junge Ärzt:innen

Der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (vsao) bietet Hilfestellungen, um junge Ärzt:innen dabei zu unterstützen, Veränderungen in Spitälern anzustossen:

  • Medizin statt Bürokratie: Fördert Lösungen, um Bürokratie und administrativen Aufwand in Spitälern zu ­reduzieren. Erfolgsbeispiele sind das Kantonsspital
    Aarau (Innere und Notfallmedizin) und das Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit.
  • 42+4-Stunden-Woche: Die Sollarbeitszeit wird von 50 auf 42+4 Stunden reduziert. So kann das Arbeitsgesetz eingehalten werden und die Weiterbildung erhält den ihr
    gebührenden Stellenwert – ein Modell, das in verschiedenen Spitälern erfolgreich umgesetzt wird, oft auf Initiative von Assistenzärzt:innen. Erfolgsbeispiel ist hier das Universitätsspital Zürich (Institut für Intensivmedizin). Tipps und FAQ für die Umsetzung siehe auf www.42plus4.ch.
  • Dienstplanberatung: Eine gute Dienstplanung ist mitentscheidend für gute Arbeitsbedingungen und die Einhaltung des Arbeitsgesetzes, verlangt jedoch vertiefte rechtliche Kenntnisse. Deshalb bietet der vsao eine kostenlose Dienstplanberatung an, die mit Hilfe von berufserfahrenen Ärzt:innen durchgeführt wird – oft auf Anstoss von Assistenzärzt:innen vor Ort.
  • Förderung Teilzeit: Der Leitfaden zur Förderung von Teilzeitarbeit vermittelt die wichtigsten Punkte, die es bei Teilzeitarbeit zu beachten gilt. Er kann von jungen Ärzt:innen genutzt werden, um an ihrem Spital entsprechende Möglichkeiten einzufordern.

Unterschätzte Innovationsquelle

Das Kennenlernen der betrieblichen Sichtweisen führt jedoch zur Möglichkeit, diese mit einem frischen Blick zu betrachten und konstruktiv-kritisch zu hinterfragen. Es gibt dann keine dummen Fragen, sondern nur professionelle Antworten. Das Hinterfragen zeigt ein tiefes Interesse am Arbeitsplatz und Umfeld. Da junge Ärzt:innen in der Regel nicht an Betriebsblindheit leiden, können sie also eine wertvolle Ressource für Verbesserungsansätze und Veränderungsimpulse in der spitalbetrieblichen Patientenversorgung sein.

Ein Spital, das Ideen seiner Mitarbeitenden unabhängig von der Dauer ihrer Anstellung wertschätzt, ermöglicht persönliche Motivation.

In einer klinischen Arbeitswelt, in der es für die jungen Mitarbeitenden schwierig ist, ihr Arbeitsvolumen innert der vertraglichen Arbeitszeit zu erledigen, haben Ideensammlungen und Verbesserungsvorschläge keinen leichten Stand. Um zu guten gemeinsamen Veränderungsentscheidungen zu kommen, ist es sinnvoll, das betriebliche Gesamtsystem im Auge zu behalten. Die Idee, die Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, soll sowohl den Patient:innen, den Spitälern als Arbeitgeber, als auch den Mitarbeitenden zugutekommen.

Haltung und Führung entscheidend

Niemand mag Veränderungen in seinem beruflichen Umfeld, wenn deren Auswirkungen ungewiss sind und sie bisherige Sichtweisen und Verhaltensmuster unter hohen Veränderungsdruck setzen. Ein Spitalbetrieb, der die Vorschläge und Ideen der Mitarbeitenden unabhängig von der Dauer ihrer Anstellung wertschätzt, ermöglicht persönliche Motivation und Teilhabe an innerbetrieblichen Entwicklungsprozessen.

Dazu braucht es im arbeitsintensiven Klinikalltag ärztliche Führungspersonen, die klar ihre Bereitschaft signalisieren, Verbesserungsideen unvoreingenommen zu evaluieren. Treffen die unbefangenen Überlegungen der jungen Ärzteschaft auf Gelassenheit und eine menschenfreundliche Grundhaltung der Führungspersonen, wird nützliche Veränderung möglich. Unter jungen Ärzt:innen spricht es sich ferner herum, welche Spitäler sich durch solche Führungshaltungen auszeichnen.

Junge Ärzt:innen setzen 
Innovationsimpulse
vsao
Canva
Unter jungen Ärzt:innen spricht es sich herum, welche Spitäler sich durch wertschätzende Führungshaltungen auszeichnen. (Foto: Canva)

Gemeinsame Sicht auf gemeinsame Interessen

Viele Veränderungsansätze basieren auf gemeinsamen Interessen aller Beteiligten, z.B. mehr Zeit für patientennahes Arbeiten statt überbordende Bürokratie. Darüber hinaus zeigen Erfahrungen, dass mehr Gestaltungsspielräume, z.B. beim spitalinternen Patienten-Flow-Management innerhalb eines vorgegebenen Ressourcen-, Ziel- und Werterahmens, zu mehr Arbeitszufriedenheit und Versorgungsqualität führen.

Wenn sich Beschäftigte in innerbetrieblichen Organisationsprojekten regelmässig zu Problemen und Verbesserungsmöglichkeiten in ihren Leistungsbereichen austauschen können, kommen bisher ungenutzten Chancen meist rasch auf den Tisch. Viele auf die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden ausgerichtete Entwicklungsprojekte in Spitälern zeigen das deutlich.

Das Warum sollte das Wie bestimmen

Zu wissen, was getan werden müsste, bedeutet noch nicht, es auch tatsächlich umsetzen zu können. Junge Ärzt:innen sind im Vorteil, weil sie andere Sichtweisen und neue Ideen einbringen können. Das Spital, die Führungskader – und letztlich alle Beteiligten – können daher profitieren, wenn fachlich hoch ausgebildete junge Menschen mit fundierter Analysefähigkeit, Motivation und Leistungsbereitschaft, systematisch in klinikbetriebliche Verbesserungs- und Optimierungsprozesse eingebunden werden.

Beitragsbild: Canva

   

Bleiben Sie informiert über aktuelle Themen mit unserem monatlichen Newsletter