Spital Limmattal zvg, Interview Ute Buschmann Truffer
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20. Mai 2025

Interview

«Es genügt nicht, nur zu ambulantisieren»

Der Spitalverband Limmattal verzeichnete 2024 einen Gewinn von 600 000 Franken – trotz hohem Kostendruck. «Dank unserem integrierten Versorgungsmodell konnten zentrale Faktoren optimal wirken und so zum Erfolg beitragen», sagt Dr. med. Ute Buschmann Truffer, CEO des Spitalverbands Limmattal.
Competence Martina Greiter

Autorin

Martina Greiter

Redaktorin Competence deutsche Schweiz

martina.greiter@hplus.ch

Frau Buschmann Truffer, der Spitalverband Limmattal hat 2024 nach Abzug des Mitarbeitenden-Bonus einen Gewinn von 600 000 Franken erwirtschaftet und eine EBITDA-Marge von fast zehn Prozent erreicht. Was ist aus Ihrer Sicht der Hauptgrund für diese positive Bilanz?

Dr. med. Ute Buschmann Truffer, CEO, Spitalverband Limmattal

Zentral war und ist der unermüdliche Einsatz unserer Mitarbeitenden.

Wir konnten Umsatz und Kosten in einer guten Balance halten. Im Vergleich zum Vorjahr erreichten wir beim Ertrag ein Wachstum von 6,6 Prozent beziehungsweise ein Umsatzplus von 15 Millionen Franken, wobei der ambulante Bereich überdurchschnittlich und stärker als der stationäre zum Umsatzwachstum beitrug. Ferner haben wir uns laufend mit der Kostenseite beschäftigt.

Inwiefern?

Mit kontinuierlichen Prozess- und Betriebsoptimierungen. Sowohl ambulant als auch stationär gelang es uns, die Kapazitäten bedarfsgerechter zu steuern. Zentral für das Erreichen des Jahresergebnisses war und ist der grosse, unermüdliche Einsatz unserer Mitarbeitenden. Sie prägen eine für den Erfolg entscheidende Kultur. 

Was meinen Sie damit?

Die Mitarbeitenden packen gemeinsam an, um pragmatische Lösungen zu finden und schauen dabei auch über ihr eigenes Pflichtenheft hinaus. Dies ist für uns zentral, um uns laufend zu verbessern.

 Unser Verband ist mehr als ein Spital – unser USP ist das integrierte Versorgungsmodell.

Weshalb steht Ihr Spital schon seit Jahren wirtschaftlich gut da?

Zentral ist sicher unser USP, das integrierte Versorgungsmodell: Unser Spitalverband ist mehr als ein Spital und hat schon früh begonnen, dieses Modell umzusetzen. Damit meine ich das Geschäftsmodell mit Spital, Pflegezentrum, Rettungsdienst, Beteiligung an regionalen Arztpraxen sowie einer engen strategischen Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern wie beispielsweise ZURZACH Care, RegioSpitex Limmattal, Uroviva oder spiess + kühne, letztere alle unter unserem Dach. Synergien und schlanke Prozesse entstehen, Schnittstellenprobleme nehmen ab und die Betriebskosten werden besser gedeckt.

Spital Limmattal Foto im Interview mit Ute Buschmann Truffer, zvg
Der bereits starke ambulante Bereich des Spitalverbands Limmattal ist 2024 um weitere neun Prozent gewachsen, ebenso legte auch der stationäre Bereich zu (Foto: zvg).

Und bei den Investitionen?

Die letzte Grossinvestition, die Neubauten, haben wir zu einem optimalen Zeitpunkt noch vor der Bauteuerung mit Kosten- und Termintreue getätigt. Die funktionale und prozessorientierte Infrastruktur ist finanziell tragbar und gezielt auf unser integriertes Geschäftsmodell ausgerichtet.

Woher rührt die wirtschaftliche Denkweise im Spital Limmattal?

Wir sind ein Zweckverband, der elf Gemeinden gehört. Diesen gegenüber haben wir eine hohe Verpflichtung, sie finanziell schadlos zu halten und die für unsere Zukunft unabdingliche Investitionsfähigkeit aus dem eigenen Betrieb heraus zu erwirtschaften. Dieses Bewusstsein ist tief verankert.

Wir investierten stark in den Nachwuchs und setzen bis auf Kaderstufe auf Teilzeitmodelle – mit einem Frauenanteil von 60 Prozent in den Kaderfunktionen.

Wie gelingt es Ihnen, qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten?

Wir sind ein Zentrumspital der Kategorie 2 – mit einem Zentrum für Adipositas-Chirurgie im HSM-Bereich, diversen Spezialzentren und -disziplinen, einer klassischen Grundversorgung sowie einem breiten ambulanten Angebot. In dieser Bandbreite und aufgrund des integrieren Versorgungsmodells können wir spannende Aufgabenfelder und Perspektiven bieten. Wir investieren stark in den Nachwuchs: Von unseren 1700 Mitarbeitenden befinden sich 250 in einer Aus- oder Weiterbildung. Der Frauenanteil beträgt in den Kaderfunktionen 60 Prozent und wir setzen bis auf Kaderstufe auf Teilzeitmodelle, was allseits geschätzt wird.

Wie intensiv ist die Kooperation mit anderen Spitälern und Institutionen?

Wir arbeiten mit unterschiedlichen Häusern zusammen, um möglichst den gesamten Patientenpfad abzudecken. Und das funktioniert gut, auch mit Kooperationsverträgen in Bereichen sich ergänzender Leistungserbringung. Für die Zukunft wird den der Akutversorgung vor- und nachgelagerten Bereichen in der Betreuung eine noch höhere Bedeutung zukommen.

Kostendeckende Tarife sind dringend nötig, um im ambulanten Bereich substanziell weiterzukommen und den stationären Bereich langfristig zu entlasten.

Wie positioniert sich das Spital Limmattal im Spannungsfeld zwischen ambulanter und stationärer Versorgung?

Der bereits starke ambulante Bereich ist bei uns im letzten Jahr um weitere neun Prozent gewachsen, ebenso konnten wir uns stationär weiter steigern. Es war wichtig, die Ambulantisierung im Neubau zu antizipieren, unter anderem mit Reserveflächen, die den sukzessiven Ausbau ermöglichen. Wir bereiten uns laufend auf die nächsten Schritte – mit Fokus auf den ambulanten Bereich – vor.

Welche Rolle spielt das Tarifsystem?

Es ist elementar, das Tarifsystem künftig konsequent auf die Ambulantisierung auszurichten und nicht umgekehrt. Ein klares Umdenken aller Akteure ist notwendig, um das grosse vorhandene Potenzial möglichst rasch zu nutzen. Mit dem Systemwechsel per Anfang 2026 und der einheitlichen Finanzierung ist es bei weitem nicht getan.

Es genügt nicht, nur zu ambulantisieren. Wir müssen vermehrt in echten Netzwerken denken und dies entsprechend vergüten.

Sondern?

Wir brauchen dringend kostendeckende Tarife. Nur so kommen wir im ambulanten Bereich substanziell weiter und haben in der Folge die Kosten des stationären Bereichs langfristig besser im Griff.  Die Tarife sollten neue Prozesse und bereichsübergreifende Versorgungsstrukturen zeitnah fördern. Wir müssen vermehrt in echten Netzwerken denken und dies entsprechend vergüten. Es genügt nicht, nur zu ambulantisieren.

Welche innovativen Ansätze setzen Sie in der Digitalisierung um?

Nach der Konzentration auf die baulichen Grossinvestitionen liegt unser Fokus jetzt auf der digitalen Transformation. Im September 2025 werden wir ein neues Klinik-Informationssystem in Betrieb nehmen. Damit schaffen wir die Basis für neue Ansätze, wobei die eigentliche Herausforderung darin bestehen wird, uns im Rahmen unserer integrierten Versorgung und zugunsten der Behandlungsqualität und -sicherheit der Patientinnen und Patienten weiter digital zu vernetzen.

Beitragsbild: Spital Limmattal (zvg)

   

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