
Unsere Branche ist im Umbruch, eine Binsenwahrheit. Transformation im Spitalwesen hat viele Ebenen. Und: Genau hinschauen lohnt sich, auch was die architektonisch-räumlichen Gegebenheiten anbelangt. Bereits 2022 hat die Spitalleitung in einer umfassenden Bestandesaufnahme unmissverständlich erkannt: Die heutige Gebäudestruktur des Kantonsspitals Glarus (KSGL) erschwert effiziente Abläufe.
Die Aufteilung der Bettenstationen auf zwei Häuser führt zu langen Wegen und organisatorischen Reibungsverlusten. Fachbereiche sind teilweise über mehrere Stockwerke und Gebäude verteilt – eine Herausforderung vor allem für die Mitarbeitenden. Hinzu kommen teilweise noch Vierbettzimmer, die wenig Privatsphäre erlauben und sich oft hinderlich auf den Genesungsprozess der Patient:innen auswirken. Genug der Gründe also, alternative bauliche und organisatorische Lösungen zu prüfen.
Nach einer sorgfältigen Variantenbewertung fiel der Entscheid auf eine Konzentration aller Bettenstationen sowie der Ambulatorien in einem Haus. Diese Lösung bietet die besten Voraussetzungen – für mehr medizinische Funktionalität, ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis und für eine stärkere Nutzung von Synergien.

Das Konzept ist einfach, wenngleich anspruchsvoll umzusetzen. Die akutsomatische Versorgung in einem Gebäude am KSGL zu bündeln bringt mehr Ruhe, Übersicht und kürzere Wege. Patient:innen profitieren von mehr Privatsphäre in modernen Ein- und Zweibettzimmern. Die medizinischen Abläufe lassen sich durch die Nähe von Diagnostik, Behandlung und Pflege effizienter steuern. Ferner fördert die Vereinheitlichung der Arbeitsprozesse unmittelbar die Koordination und Abstimmung des Behandlungsteams.
Gleichzeitig entstehen klare ambulante Strukturen: So sollen die ambulanten Sprechstunden der Frauenklinik, der Chirurgie und der Inneren Medizin künftig übersichtlich nach Fachgebieten geordnet werden. Durch diese räumliche Bündelung können die Patient:innen sich besser orientieren und das Personal wird in den Genuss von reibungsloseren Abläufen kommen. Darüber hinaus sollen auch administrative Bereiche der jeweiligen Fachrichtungen sinnvoll in dieses Gesamtkonstrukt eingebettet werden. Die Büros und die ambulanten Sprechstunden zu entflechten wird schliesslich dazu beitragen, die Patientenzufriedenheit zu steigern.
Ein weiterer Baustein des Konzepts ist die neue Tagesklinik, die ebenfalls im selben Haus entstehen soll. Sie schafft künftig optimale Bedingungen für ambulante Eingriffe mit kurzen Wegen zu Operationssälen und Aufwachräumen. Dadurch verbessert sich nicht nur das Angebot, sondern auch die stationären Abteilungen werden gezielt entlastet. Letztlich entsteht durch strukturelle Zusammenschlüsse zusätzlicher Raum, der für künftige Erweiterungsbauten genutzt werden kann. Last but not least: Neu können Räumlichkeiten an externe Partner vermietet werden – eine zusätzliche Einnahmequelle.
Der Startschuss fiel – nach einer ausgedehnten Planungsphase – im März 2025. Seither arbeiten die verschiedenen Arbeitsgruppen intensiv daran, die gemeinsamen Pläne umzusetzen. Dies brachte bereits erste räumliche Anpassungen, parallel dazu werden die Prozesse überarbeitet. Per Ende September 2025 haben die Beteiligten bereits erste Meilensteine erreicht: Die Unterteilung der Vier-Bett-Zimmer in die neuen Zwei-Bett-Zimmer. Die räumlich nebeneinanderliegenden Untersuchungszimmer der Frauenklinik sind bereits fertiggestellt.
Der «Glarner Weg» ist ein klares Bekenntnis zu mehr Qualität, effizienteren Abläufen und einer nachhaltigen Ausrichtung der Gesundheitsversorgung. Akutsomatische Fälle gelangen so noch schneller an die richtigen Anlaufstellen, die medizinischen Angebote sind übersichtlich gebündelt und das Spital nutzt seine räumlichen Ressourcen zielgerichtet und vorausschauend.
Damit gestaltet das KSGL den Transformationsprozess, in welchem sich alle Spitäler befinden – aus Eigeninitiative und mit einem konsequenten Kundenfokus. Das Kantonsspital sendet damit ein starkes Signal an die Bevölkerung wie auch an alle Partner: Das KSGL investiert – auch in finanziell anspruchsvollen Zeiten.
Beitragsbild: zvg, KSGL