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2. Dezember 2025

FOCUS

Führungswechsel im Schweizer Spitalwesen

«Aufbruch statt Stillstand – Führung in bewegten Zeiten»

Nach erfolgreichen Jahren als Spital-CEO gestaltet Dr. Daniel Lüscher heute die Zukunft eines Spitals aus strategischer Sicht. Ein Blick auf seine persönlichen Erfahrungen in der Spitalführung.
Competence Martina Greiter

Autorin

Martina Greiter

Redaktorin Competence deutsche Schweiz

martina.greiter@hplus.ch

Herr Lüscher, wie erklären Sie Ihre früheren, relativ raschen Wechsel als Spital-CEO?

Meine erste CEO-Funktion führte mich 2012 ins Kantonsspital Obwalden, bei dem ich sechs wunderbare Jahre verbrachte. Meine Arbeit wurde offensichtlich über die Kantonsgrenzen hinweg zur Kenntnis genommen, was dazu führte, dass mir der CEO-Posten der Spitäler Schaffhausen angeboten wurde. Obwohl mich damals die geografische Lage von Schaffhausen zögern liess, erkannte ich die mir gebotene Chance, ein deutlich grösseres Spital zu führen. Als Wochenaufenthalter war für mich die Situation aber nicht befriedigend, ebenso wenig die Zusammenarbeit mit dem damaligen Verwaltungsrat. Unter anderem ein ausserordentlicher Akquisitionserfolg einer grösseren Ärztegruppe blieb wohl auch der Hirslanden Gruppe nicht verborgen, woraufhin ich angefragt wurde, die Leitung des Salem Spitals und der Klinik Beau-Site in Bern zu übernehmen und diese zu einem Campus zusammenzuführen. Diese Aufgabe erschien mir attraktiv, zumal ich gerne einmal im privaten Spitalumfeld tätig sein wollte. Zudem wurde mir bald auch zusätzlich die Leitung der Klinik Permanence übertragen. Einiges schien mir also auch in Bern recht gut gelungen zu sein und es kam wohl wie es kommen musste. Anfangs 2023 erreichte mich die Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte, das Verwaltungsratspräsidium des Kantonsspitals Aarau zu übernehmen, um dort den Turnaround zu schaffen, der Rest ist Geschichte.

Wechsel an der Spitze sind oft Ausdruck einer dynamischen und herausfordernden Branche.

Ist die derzeit auffällig hohe Fluktuation bei Spital-CEOs Ausdruck einer Führungsschwäche?

Wer die Gesamtverantwortung eines Spitals trägt, weiss um die enorme Belastung, die mit dieser Funktion einhergeht. Der Kosten- und Margendruck, Sanierungsprojekte, latenter Personalmangel und politische Einflüsse machen die Aufgabe nicht einfacher. Die Arbeitstage als Spital-CEO sind lang, intensiv und inhaltlich anspruchsvoll. Aus diesem Grund bin ich überzeugt, dass die Führung eines Spitals eine der herausforderndsten Leitungsrollen überhaupt ist. Deshalb orte ich die hohe Fluktuation, die wir insbesondere nach der COVID-Pandemie gesehen haben, nicht einer generellen Führungsschwäche zu, sondern vielmehr einer gewissen Abnützung und Ermüdung der CEOs.

Gehen bei raschen CEO-Wechseln nicht die so­ziale Verankerung in der Region bzw. in der eigenen Geschichte eines Spitals verloren?

Doch, in gewisser Hinsicht kann dies durchaus der Fall sein. Betrachtet man das Ganze jedoch aus einer Metaperspektive, wird deutlich, dass die einst vielerorts vorherrschende Sozialromantik im Verlauf der letzten Jahre spürbar verblasst ist. Die Gesundheitskosten steigen und damit der Druck der Gesundheitsdirektionen auf die Spitäler. Das Damoklesschwert EBITDA-Marge schwebt über allen!

Für mich ist klar: In jeden Verwaltungsrat gehört ein oder eine Spital-CEO für einen Austausch auf Augenhöhe.

Was sind die grössten system­immanenten Ursachen für kurze Verweildauern von CEOs?

Die Gründe sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Der hohe Leistungsdruck und die damit verbundenen Erwartungen an die Person, die hohe Komplexität des Spitalgeschäfts, unterschiedliche Auffassungen über künftige strategische Ausrichtungen, Unstimmigkeiten mit dem Spital- oder Verwaltungsrat – aber auch politische Einflüsse – sind oft zentrale Faktoren, die Spital-CEOs dazu veranlassen, ihre Situation zu überdenken.

Stellen Sie insgesamt eine Führungskrise in Schweizer Spitälern fest?

Ich stelle fest, dass vielerorts eine neue Generation von CEOs eingesetzt wurde, die noch nicht über die notwendige Führungserfahrung im Spitalbereich verfügt. Dafür gibt es zweifellos Gründe – von einer generellen Führungskrise würde ich jedoch nicht sprechen.

Was kann die strategische Spitalleitung tun, um die operative Leitung zu stärken?

Für mich ist klar: In jeden Spitalverwaltungsrat gehört eine bzw. ein Spital-CEO mit entsprechender Erfahrung. Den gegenseitigen Austausch auf Augenhöhe sehe ich als unschätzbaren Wert, der beidseits für Transparenz und Vertrauen sorgt.

Beitragsbild: Dr. Daniel Lüscher, Verwaltungsratspräsident KSA Kantonsspital Aarau (Foto: zvg)

   

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