
Jedes Jahr erhalten in der Schweiz etwa 48 000 Menschen eine Krebsdiagnose. Dank medizinischer Fortschritte und des Ausbaus von Früherkennungsprogrammen lässt sich Krebs mittlerweile besser behandeln. Die Überlebensraten steigen stetig. Dadurch leben heute über 450 000 Cancer Survivors in der Schweiz.¹
Bei vielen von ihnen treten als Folge der Erkrankung und ihrer Behandlung Nebenwirkungen und Langzeitfolgen auf – manchmal auch viele Jahre nach Therapieabschluss. Wie abrupt der Übergang in den Alltag sein kann, schildert eine teilnehmende Person der SCAPE-Studie, die Erfahrungen von Patient:innen in der Krebsversorgung untersuchte:²
«Ich wurde in einen Tornado medizinischer Versorgung hineingezogen und nach Monaten der Aufmerksamkeit, Terminen und Behandlungen auf einen Schlag abgeschoben. (…) Nach diesem Tsunami wieder ein normales Leben zu führen, hat mich viel Zeit gekostet.»
Schätzungen zufolge hat etwa ein Drittel der Cancer Survivors einen erhöhten Unterstützungsbedarf.³ Zwar gibt es in der Schweiz viele Unterstützungsangebote, doch sie sind häufig fragmentiert und unkoordiniert. Betroffene werden dadurch oft sich selbst überlassen. Auch die Suche nach Unterstützung kann belasten, wie eine weitere Aussage aus der SCAPE-Studie zeigt:²
«Ich fühlte mich allein und verlassen, als plötzlich Nebenwirkungen auftraten, die über Übelkeit / Müdigkeit hinausgingen. Der Onkologe war ratlos. Wenn man an mehrere Türen klopfen muss, sobald es einem nicht gut geht, ist das nicht einfach.»
Aktuelle Berichte⁴,⁵ beschreiben den bestehenden Handlungsbedarf und formulieren konkrete Empfehlungen. Dazu gehören eine stärkere Vernetzung, die Koordination der Angebote und eine bessere Steuerung auf nationaler Ebene einschliesslich der Festlegung von Leitlinien.
Empfohlen wird ferner, den individuellen Bedarf zu ermitteln und einen Survivorship-Plan zu erstellen. Mit der Ausarbeitung konsensbasierter Empfehlungen auf Schweizer Ebene wurde im vergangenen Jahr ein erster Schritt getan.⁶ Zudem soll der «Nationale Krebsplan 2025- 2032» ein eigenes Kapitel zum Thema «Cancer Survivorship» enthalten und diese Elemente aufgreifen.
Mit «myOncompass» will die Krebsliga einen konkreten Beitrag zur Erreichung dieser Ziele leisten. Sie hat gemeinsam mit Partnerorganisationen aus dem Gesundheitswesen ein Programm entwickelt, das derzeit als Pilot evaluiert wird.⁷ Es soll Betroffene individuell und bedarfsgerecht begleiten, Orientierung geben und die Versorgung erstmals besser koordinieren.
Ziel ist, dass Betroffene zum richtigen Zeitpunkt das passende Angebot möglichst in ihrer Nähe erhalten. Im Programm begleitet eine onkologische Fachperson – kurz Onco Coach – Betroffene als feste und persönliche Ansprechperson und unterstützt sie dabei, ihr Selbstmanagement zu stärken. Eine digitale Lösung hilft dabei, die Übersicht zu behalten.
Eine umfassende Krebsversorgung schliesst auch die Zeit nach der Akutbehandlung ein. Bei Betroffenen können körperliche, psychische, soziale und finanzielle Folgen fortbestehen oder erst Jahre später auftreten. Für das Schweizer Gesundheitssystem ergibt sich daraus die Aufgabe, eine koordinierte und bedarfsgerechte Nachsorge sicherzustellen.
Entscheidend ist, Versorgungslücken zu schliessen, Betroffene langfristig zu begleiten und ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Krebsliga engagiert sich dafür sowohl auf politischer als auch auf fachlicher Ebene.
Beitragsbild: Im Programm «myOncompass» begleitet eine erfahrene Fachperson die Cancer Survivors persönlich. (Foto: zvg)