
Die berufliche Weiterentwicklung – häufig unter dem Begriff «Weiterbildung» zusammengefasst – steht primär in der Verantwortung des Einzelnen. Es ist jedoch im Interesse der Arbeitgeber – also auch der Spitäler und Kliniken – ihre Mitarbeitenden in diesem Bereich zu fördern. Der Staat greift unterschiedlich ein, je nachdem, ob die Weiterentwicklung im Berufsbildungsgesetz (BBG) oder im Weiterbildungsgesetz verankert ist.
Der Begriff «Weiterbildung» wird im Alltag sehr breit gefasst, teilweise sogar mit formaler Ausbildung vermischt bzw. gleichgesetzt. Die Angebote sind, je nach Branche und Beruf, vielfältig und dienen unterschiedlichen Zielsetzungen. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) definiert Weiterbildung als «nicht formale strukturierte Bildung», im Gegensatz zur formalen Bildung. Formale Bildung umfasst die obligatorische Schule und alle Bildungsgänge, die auf einen vom Staat reglementierten Abschluss hinführen (Abschlüsse Sekundarstufe II, Höhere Berufsbildung HBB, BSc/MSc/PhD, Abschlüsse, die für staatlich reglementierte Berufe vorausgesetzt werden).
Viele Spitäler und Kliniken verfügen über ein Weiterbildungsreglement, das aufzeigt, welche Weiterbildung der Betrieb in welcher Form unterstützt, die der Strategie des Unternehmens dient. Dort wird teilweise aber kein Unterschied zwischen Vorbereitungskursen auf formale Abschlüsse und nicht formaler Weiterbildung gemacht (siehe Artikel von H+ Bildung auf S. 10).
Für Interessent:innen an einer Weiterbildung steht eine grosse Palette an Angeboten und Abschlüssen zur Auswahl. Gelegentlich hört man sogar den Begriff «Weiterbildungs-Dschungel», weil die Orientierung in diesem grossen Angebot zunehmend komplexer wird.
Sehr beliebt sind gerade in der Gesundheitsbranche die CAS/DAS/MAS. Diese sind dem freien Markt entsprungen und gehören zur nichtformalen Bildung. Mit der Eingliederung der Gesundheitsberufe ins Bundesgesetz über die Berufsbildung (BBG) im Jahr 2004 und der Akademisierung einiger HF-Berufe (Höhere Fachschule) auf Stufe Fachhochschule (FH) sind viele dieser CAS / DAS / MAS-Angebote entstanden. Diese Weiterbildungen führen zu keinem formalen Abschluss und sind nicht staatlich reglementiert. Die Fachhochschulen sind in der Konzeption der Inhalte frei. Die Finanzierung erfolgt durch die Absolvierenden und /oder die Arbeitgeber.
Häufig auch als «Weiterbildung» bezeichnet, obwohl Teil der formalen Bildung, werden die Abschlüsse der Höheren Berufsbildung (HBB): Deren Prüfungsordnungen sind in einem vom SBFI vorgegebenen Prozess entwickelt und verabschiedet worden. Die Träger der Prüfungen, meist Berufs- und / oder Branchenverbände, entwickeln diese unter starkem Einbezug der Arbeitswelt.
Die in den Prüfungen nachgewiesenen Kompetenzen sind also relevant für die Arbeitgeber. Bei der Durchführung einer solchen Prüfung stellen Kommissionen die inhaltliche sowie Prozessqualität sicher. Zudem subventioniert der Bund die Durchführung solcher Prüfungen im Umfang von bis zu 60 Prozent der Kosten. Bei freiwilligen, vorbereitenden Kursen bezahlt der Bund den Absolvierenden nach abgeschlossener Prüfung bis zur Hälfte der Kosten.
Trotz des Vorteils, via HBB einen formalen Abschluss zu erlangen, kämpfen diese Prüfungen in vielen Branchen, insbesondere auch im Gesundheitswesen, um Anerkennung. Dies hat beim Bund zu diversen Massnahmen auf Gesetzesebene geführt, um deren Attraktivität zu steigern.
Diese Massnahmen treten in Kürze in Kraft: Ab dem 1. Oktober 2026 dürfen Absolvierende der Höheren Fachschulen (HF) den Titel «Professional Bachelor», Absolvierende von Höheren Fachprüfungen (HFP) zusätzlich den Titel «Professional Master» führen. Für Nachdiplomstudiengänge (NDS) müssen neu keine Anerkennungsverfahren mehr durchlaufen werden und die HF können diese selbst lancieren. Durch diese Massnahme müssen die äusserst beliebten und hochspezifischen Abschlüsse der Anästhesie-, Intensiv- und Notfallpflege (AIN) in Höhere Fachprüfungen (HFP) umgewandelt werden.
Dies könnte dazu führen, dass im Spitalkontext auch andere Prüfungen auf gleicher Stufe wieder mehr in den Fokus rücken. Jedoch könnte es einen neuen «Weiterbildungssturm» geben, wenn wie CAS und Co. an den FH nun auch die HF Weiterbildungsangebote frei anbieten können. Werden dann so viele NDS auf den Markt gelangen, dass der Dschungel noch dichter wird?
Was die Massnahmen des Bundes bewirken werden, wissen wir erst in ein paar Jahren. Unabhängig davon ist zu hoffen, dass die Weiterbildungsaktivitäten in Spitälern und Kliniken auf einem hohen Niveau bleiben werden.
Beitragsbild: Weiterbildung als Strategie anstatt Zufall – dies ist auch für Spitäler und Kliniken wichtig. (Foto: Canva)