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17. September 2026

Koordinationsstelle für Hitzewellen

HUG: Das Spital auf künftige Sommer vorbereiten

Zimmer mit 34 Grad Raumtemperatur, besonders gefährdete Patient:innen sowie Teams, die wochenlang im Einsatz waren: Der aktuelle Sommer stellte das Universitätsspital Genf (HUG) auf eine harte Probe. Das Spital hat seine Hitzevorkehrungen verstärkt und bereitet sich schon heute auf die kommenden Sommer vor. Für Sophie Meisser, Leiterin der Koordinationsstelle für Hitzewellen, geht es mittlerweile um mehr, als nur Spitzenbelastungen zu bewältigen: Das Spital müsse nachhaltig an ein wärmeres Klima angepasst werden.
Competence Muriel Chavaillaz

Autorin

Muriel Chavaillaz

Journaliste de Competence pour la Suisse romande et le Tessin

muriel.chavaillaz@hplus.ch

Wenn das Thermometer steigt und steigt, lassen sich nicht alle Lösungen, die zu Hause funktionieren, auf ein Spital übertragen und anwenden. So ist es beispielsweise unmöglich, eine eigene Klimaanlage oder einen Ventilator ins Zimmer eines Angehörigen mitzubringen: Sicherheitsvorschriften zur Stromversorgung und Anforderungen zur Hygiene sowie zur Infektionsprävention verbieten dies. Und wenn in manchen in die Jahre gekommenen Gebäuden die Temperatur in den Zimmern auf bis zu 34 Grad steigt, wird die Suche nach Lösungen zu einer echten Herausforderung.

Das HUG hat dieses Problem jedoch nicht erst in diesem Sommer erkannt: Seit etwa zehn Jahren werden alle sensiblen Bereiche schrittweise gekühlt oder klimatisiert. Mehrere Abteilungen, insbesondere in der Geriatrie, verfügen bereits über spezifische Pläne. Eine erste Arbeitsgruppe, die nach dem Sommer 2025 eingesetzt wurde, befasste sich bereits im letzten Winter mit der Planung und den technischen Massnahmen. Was noch fehlte, war ein umfassendes, institutionelles Konzept.

Zentralisieren, um rasch zu handeln

Angesichts der Intensität und Dauer der Hitzewellen 2026 hat das HUG die Governance verstärkt. Eine zentrale Koordinationsstelle für Hitzewellen ist fortan das ganze Jahr über mit Planung und Organisation beschäftigt. Bei Bedarf setzt sie eine Taskforce ein, um dringende Probleme zeitnah zu lösen. In diesem Sommer war eine solche Taskforce von Mitte Juli bis Ende August im Einsatz.

Sophie Meisser ist Leiterin der Koordinationsstelle für Hitzewellen sowie des Bereichs für soziale und ökologische Verantwortung am HUG. (Foto: zvg)

«Alle Bedürfnisse und Anliegen werden zentral gebündelt», erklärt Sophie Meisser, Leiterin der Koordinationsstelle für Hitzewellen des HUG. Ziel ist es, den Überblick zu behalten und die Ressourcen an jenen Stellen zu bündeln, wo sie am dringendsten benötigt werden. Die Koordinationsstelle vereint die ärztlichen und pflegerischen Direktionen, Vertreter:innen der medizinischen Fachbereiche, die Immobilienleitung, die Personalabteilung, den Arbeitsschutz, die Finanzabteilung und den Bereich Einkauf. Die Tatsache, dass die Stelle direkt der Generaldirektion angegliedert ist, macht deutlich, welche Bedeutung dem Thema beigemessen wird.

Diese Zentralisierung ging mit umfangreichen Informationsmassnahmen einher: Ein Intranet-Bereich bündelt Präventionstipps, Massnahmen für Patient:innen, Personalinformationen sowie Verfahren zur Materialbestellung. Über eine zentrale Anlaufstelle können die Teams zudem ihre Schwierigkeiten melden und Lösungen vorschlagen.

650 zusätzliche Ventilatoren

Vor Ort umfassten die Massnahmen sowohl technische als auch organisatorische Aspekte. Es wurden fast 650 zusätzliche Ventilatoren angeschafft. Mobile Klimaanlagen wurden gekauft oder gemietet und vorrangig in den am stärksten betroffenen Bereichen eingesetzt (siehe Kasten unten). Sonnenschutzfolien, Storen, Sonnensegel sowie die Optimierung der nächtlichen Belüftung runden das Massnahmenpaket ab. Ferner verlängerte das HUG die Öffnungszeiten mehrerer Restaurants bis 20 Uhr und baute das Angebot an kalten Speisen aus.

Strenge Hygieneanforderungen bei der Nutzung von Ventilatoren

Ventilatoren und Klimageräte werden im Universitätsspital Genf (HUG) in Gemeinschaftsräumen, ambulanten Bereichen und Patientenzimmern eingesetzt. Für die beiden letztgenannten Raumkategorien wurden von der Abteilung für Prävention und Infektionskontrolle (SPCI) strenge Nutzungsbedingungen festgelegt. Zudem stellt die SPCI auch strenge Anforderungen an die Reinigung und Desinfektion von Ventilatorflügeln, Gittern und Halterungen.

In Patientenzimmern sind Ventilatoren und Klimageräte unter bestimmten Bedingungen zulässig, je nach Zimmertyp und je nach den für die Patient:innen geltenden Infektionspräventionsmassnahmen. Atemwegsbeschwerden können z.B. die Nutzung eines Ventilators einschränken oder ganz ausschliessen.

Für die ambulanten Bereiche hat die SPCI differenzierte Vorgaben für Warte- und Untersuchungsräume erlassen.

Doch die Hitze lasse sich nicht allein mit technischer Ausrüstung bekämpfen. In den am stärksten ausgelasteten Abteilungen bemühte sich das HUG zudem, das Personal aufzustocken und den Mitarbeitenden Pausen ermöglichen. Insbesondere wurden Studierende der Pflege zur Verstärkung eingestellt. Denn Patient:innen häufiger zu erfrischen, mit Flüssigkeit zu versorgen, in klimatisierte Bereiche zu verlegen oder sie verstärkt zu überwachen, nahm zusätzliche Zeit in Anspruch.

«Es sind die Teams, die an vorderster Front stehen, und sie haben diesen Sommer Aussergewöhnliches geleistet», betont Sophie Meisser. «Ihr Schutz ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Massnahmen.»

Komplexer Gebäudeunterhalt

Die Herausforderung ist umso komplexer, da die rund 150 Gebäude des HUG sehr unterschiedliche Voraussetzungen aufweisen. Einige sind neu, gut gedämmt und modernisiert; die zahlreichen älteren Gebäude, lassen sich jedoch viel schwerer an die Hitze anpassen. Gerade in diesen älteren Gebäuden sind aber oftmals die schutzbedürftigsten Patient:innen untergebracht, insbesondere die Bereiche Geriatrie und Rehabilitation.

Es ist nicht realistisch, alle alten Gebäude bis zum nächsten Sommer in klimatisierte Häuser umzuwandeln. Deshalb verfolgt das HUG einen zeitlich gestaffelten Ansatz.

Sophie Meisser, Leiterin der Koordinationsstelle für Hitzewellen am HUG

Die Modernisierung eines Gebäudes besteht nicht einfach darin, mehr Geräte anzuschliessen. Die Stromkapazitäten können unzureichend sein, und bestimmte Massnahmen erfordern umfangreiche Renovationsarbeiten sowie kantonale Genehmigungen. Isolation, Fenster, Lüftung und Kühlsysteme müssen als Ganzes betrachtet  werden. «Es ist nicht realistisch, alle unsere alten Gebäude bis zum Sommer 2027 in klimatisierte Häuser umzuwandeln», räumt die Expertin ein.

Das HUG verfolgt daher einen zeitlich gestaffelten Ansatz. Kurzfristig geht es darum, die Zahl der schnell umsetzbaren Lösungen zu erhöhen. Mittel- bis langfristig sollen energetische Sanierungen und nachhaltige Systeme die Gebäude schrittweise widerstandsfähiger gegen Hitzewellen machen. In der Zwischenzeit müssen weiterhin Übergangslösungen gefunden werden.

Von einer reaktiven Arbeitsweise zum lernenden System

Die Erfahrungen aus dem Jahr 2026 dienen nun als Testfeld für die kommenden heissen Sommer. Das HUG wertet diese Erfahrungen aus und tauscht sich mit anderen Spitälern und Kliniken aus, um herauszufinden, was gut funktioniert hat und was verbessert werden muss. Sophie Meisser betont, dass das HUG zwar Fortschritte erzielt hat, aber noch nicht von einer reaktiven Arbeitsweise zu einer lückenlos vorausschauenden Planung gelangt ist. Die eigentliche Veränderung bestehe vielmehr darin, ein System aufzubauen, das es in den kommenden Jahren ermöglichen werde, besser mit den Hitzewellen umzugehen.

Es komme nicht in Frage, den Sommer 2026 als Ausnahme zu betrachten, die man einfach so hinter sich lassen könne. Ähnliche Hitzesommer können sich künftig wiederholen. «In allen Spitälern muss man sich dessen bewusst sein.» Das Ziel ist daher pragmatisch: «Wir werden nächsten Sommer besser vorbereitet sein, selbst wenn er so heiss sein wird, wie der eben zu Ende gehende.»

Spitäler stellen sich jeden Winter auf hohe Auslastungen infolge saisonaler Infektionswellen ein. Nun gilt es, diese Anpassungsfähigkeit auch auf die Sommermonate zu übertragen.

Sophie Meisser, Leiterin der Koordinationsstelle für Hitzewellen am HUG

Anpassungen werden schrittweise erfolgen: Mehr Ressourcen, die bereits vor dem Einsetzen der ersten Hitze verfügbar sind, im Vorfeld vorbereitete organisatorische Massnahmen und schliesslich umfangreichere bauliche Umstrukturierungen: Jeder Sommer soll dazu beitragen, den nächsten zu verbessern.

Sophie Meisser weist schliesslich darauf hin, dass das Spital über einen entscheidenden Vorteil verfügt: die Fähigkeit, sich angesichts von Spitzenauslastungen neu zu organisieren. Dies geschehe bereits jeden Winter, insbesondere bei Epidemien und Winterviren. Die Hitze mache es nun erforderlich, diese Anpassungsfähigkeit des Spitals auch auf den Sommer zu übertragen.

Beitragsbild: Hauptgebäude des HUG (zvg)

   

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