
Der Kanton Graubünden steht vor einer dreifachen Herausforderung: Demografischer Wandel, eine anspruchsvolle Topografie und der saisonale Tourismus machen eine Gesundheitsversorgung nötig, die wohnortsnah, flexibel und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig ist. Das neue Gesundheitsleitbild 2026–2036 gibt die Richtung vor und weist den Spitälern eine klare Rolle zu.
Das Leitbild sieht eine abgestufte Versorgungsstruktur vor: Basisspitäler konzentrieren sich auf die wohnortsnahe Grundversorgung, während Regionalspitäler überregional eine erweiterte Grundversorgung übernehmen. Das Kantonsspital Graubünden fungiert als spezialisiertes Zentrumsspital mit überkantonaler Verantwortung.
Dieser Fokus auf das Kerngeschäft der einzelnen Spitäler erlaubt es, Qualität zu sichern und Ressourcen gezielt einzusetzen. Ergänzt wird die stationäre Versorgung durch einen konsequenten Ausbau ambulanter Angebote sowie Übergangs- und Langzeitpflegestrukturen, die Spitäler entlasten sollen. Neue Koordinationsrollen – etwa das Case Management – sollen den Behandlungspfad für Patient:innen flüssiger und gezielter gestalten.
Kooperation statt Konkurrenz: ein neues Rollenverständnis
Das Gesundheitsleitbild 2026–2036 verlangt ein Umdenken: Basisspitäler, Regionalspitäler, das Kantonsspital Graubünden und die Psychiatrischen Dienste Graubünden bilden künftig ein abgestimmtes Netzwerk mit klar verteilten Rollen. Einzelne Angebote – etwa die stationäre Geburtshilfe – werden überregional gebündelt, während ambulante Alternativen wie in der vor- und nachgeburtlichen Betreuung den regionalen Zugang sichern.
Tragfähige Lösungen entstehen aber nur im Dialog: Das Leitbild fordert deshalb verbindliche Kooperationsstrukturen und verlangt von Regionen, die noch keine Gesundheitsversorgungsregion konstituiert haben, dies mit hoher Priorität nachzuholen. Miteinander im Austausch zu sein und überregionale Lösungen zu suchen – das ist der eigentliche Kern des neuen Leitbilds.
Der Fachkräftemangel trifft periphere Regionen besonders stark. Das Leitbild setzt auf einen weiteren Ausbau von Aus- und Weiterbildungsangeboten sowie auf attraktivere Arbeitsbedingungen. Besonders dringlich ist dies für alle peripheren Standorte: Wer dort Fachpersonal ausbilden oder weiterbilden will, ist heute oftmals auf Angebote ausserhalb der Region angewiesen, teilweise auch sprachlich bedingt – mit entsprechenden Zusatzkosten für die Anreise und Unterkunft der Weiterzubildenden. Ebenfalls zentral ist, flexible Arbeitszeitmodelle zu fördern, die dem saisonalen Rhythmus entgegenkommen sowie bezahlbaren Wohnraum in Tourismusgemeinden zu schaffen.
Damit all dies funktioniert, braucht es eine gemeinsame digitale Basis: Eine interoperable Plattform soll alle Leistungserbringer verbinden, sodass Daten durchgängig verfügbar sind und Fachkräfte auch dezentral vollwertig arbeiten können. Telemedizinische Angebote ermöglichen zudem eine Versorgung auf Distanz. Das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit des Kantons Graubünden geht von einem Investitionsbedarf von 100 Mio. Franken in den nächsten zehn Jahren aus.
Beitragsbild: Der Kanton Graubünden steht vor einer dreifachen Herausforderung: Demografischer Wandel, eine anspruchsvolle Topografie und der saisonale Tourismus. Auf dem Bild: Bikerin auf einem Singletrail oberhalb von Davos. (Foto: Canva)