
Um das Kernziel von «Ambulant vor Stationär» (AVOS) in der Schweiz zu erreichen, sind geeignete Massnahmen erforderlich. Im Zentrum steht dabei die Steigerung der Kosteneffizienz im Gesundheitswesen. Zu diesem Zweck sollen ausgewählte Eingriffe bevorzugt ambulant erfolgen, wodurch sich stationäre Aufenthalte verringern und dadurch die Gesundheitskosten senken lassen. Die Gesundheitspolitik fördert diese sinnvolle Verlagerung hin zu kostengünstigerer und gleichzeitig medizinisch hochstehender Qualität.
AVOS darf nicht als Zusatzaufgabe betrachtet werden, vielmehr sollte es in der Unternehmensstrategie fest verankert sein. Spitäler und Kliniken müssen klare Ziele definieren, Verantwortlichkeiten zuweisen und die strategische Planung auf ambulante Qualitätsziele, Fallzahlen und Kapazitätsverschiebungen ausrichten. Damit lassen sich eine langfristige Steuerungssicherheit und nachhaltige Effizienzgewinne erzielen.
Um die Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsinstitutionen im ambulanten Setting sicherzustellen, braucht es kurze Wege, effiziente Prozesse und Veränderungen der Patientenströme innerhalb der Einrichtung. In diesem Kontext gewinnt das Konzept «Lean Hospital Management» an Bedeutung.
Gesundheitsinstitutionen müssen zunehmend die Prinzipien der Lean-Philosophie anwenden, um den wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen.
Die Infrastruktur- und Raumplanung ist für AVOS entscheidend, da bestehende Spitalstrukturen meist auf stationäre Prozesse ausgelegt sind. Erforderlich sind flexible ambulante Einheiten mit kurzen Patientenwegen, effizienten Abläufen und flachen Hierarchien. Dazu gehören geeignete Eingriffs-, Vorbereitungs- und Nachbetreuungsräume sowie mobile Arbeitsplätze. Administrative Prozesse sind ohne Redundanzen zu gestalten und durch digitale Lösungen zu unterstützen, insbesondere bei Dokumentation, Berichtsqualität und Fallcodierung. Entscheidend bleibt, dass Wirtschaftlichkeit nicht zulasten der Patientensicherheit geht.
AVOS verlagert Behandlungen in den ambulanten Bereich und erhöht damit den Bedarf an verbindlicher interprofessioneller Zusammenarbeit. Wichtiger werden insbesondere Koordination, Schnittstellenmanagement, Patientenedukation, Verlaufsbeobachtung und ein sicher organisierter Übergang nach dem Eingriff. Dadurch verschieben sich Rollen und Kompetenzen: Ärztliche Aufgaben fokussieren stärker auf die Indikation, Intervention und Supervision, während Pflegefachpersonen mehr Verantwortung in den Bereichen Assessment, Beratung, Stabilisierung und Nachsorge übernehmen.
Die Advanced Practice Nurse (APN) kann hier eine Schlüsselrolle übernehmen, indem sie komplexe Patient:innen vor und nach ambulanten Eingriffen begleitet, Symptome früh beurteilt, Therapieadhärenz fördert und als klinische Schnittstelle zwischen Ärzteschaft, Pflege und weiteren Berufsgruppen wirkt.
APNs sind hochqualifizierte Pflegefachpersonen mit erweiterten klinischen Kompetenzen, deren Integration gemäss Schweizer Studien besonders dort gelingt, wo die Rollen, Verantwortlichkeiten und Supervision klar geregelt sind.
AVOS ist mehr als die Verlagerung einzelner Eingriffe in den ambulanten Bereich: Das Modell erfordert eine strategische Neuausrichtung mit angepassten Prozessen, geeigneter Infrastruktur und klar geregelter interprofessioneller Zusammenarbeit. Nur wenn Effizienz, Qualität und Patientensicherheit gleichermassen berücksichtigt werden, kann AVOS zu einer nachhaltigen Entlastung des Gesundheitswesens beitragen. Die APNs können dabei eine zentrale Schnittstellenfunktion übernehmen.
Beitragsbild: KI-Bild – DALL·E