
An der Revision der eidgenössischen Berufsprüfung «Medizinische:r Kodierer:in» beteiligt sind unter anderem Isabelle Lüthi als pädagogische Begleiterin und die medizinische Kodiererin Daniela Ehbrecht. Sie geben Auskunft über den laufenden Revisionsprozess.

Als pädagogische Begleiterin bewege ich mich an der Schnittstelle zwischen den Fachpersonen im Berufsfeld und den pädagogischen sowie rechtlichen Anforderungen. Meine Aufgabe ist es, die am Arbeitsmarkt geforderten Kompetenzen so zu formulieren, dass sie ausgebildet und überprüft werden können. Gleichzeitig stelle ich eine praxisnahe, didaktisch sinnvolle und rechtskonforme Prüfung sicher.
Um aktuelle Entwicklungen abzubilden, müssen Medizinische Kodierer:innen aus verschiedenen Institutionen, Tätigkeitsfeldern und Regionen der Schweiz einbezogen werden (siehe Interview Teil 2 mit Daniela Ehbrecht). Sie kennen die Herausforderungen im Umgang mit Klassifikationssystemen, Kodierregeln, KI- und Software-Tools aus der Praxis am besten.
Medizinische Kodierer:innen erfassen und überprüfen in Spitälern und anderen Gesundheitseinrichtungen Patientendiagnosen und Therapien anhand standardisierter Klassifikationssysteme. Die korrekt aufbereiteten Daten dienen als Grundlage für Leistungsabrechnungen, medizinische Statistiken sowie für die wirtschaftliche und epidemiologische Steuerung im Gesundheitswesen.
Weiter gehören zum Aufgabenbereich der Medizinischen Kodierer:innen, bei Revisionen mitzuwirken, Datenbanken zu pflegen und das medizinische Personal fachlich zu unterstützen. Sie schliessen ihre Ausbildung aktuell mit einem Fachausweis auf Stufe Berufsprüfung ab.
Ausgehend von Diskussionen mit Berufsvertreter:innen sowie von bewährten Methoden der Zukunftsforschung ist damit zu rechnen, dass Medizinische Kodierer:innen künftig vermehrt KI-kodierte Fälle überprüfen und plausibilisieren werden. Sie werden sich vermehrt mit komplexen Fällen auseinandersetzen und dabei auch stärker mit dem Gesundheitspersonal und den Kostenträgern kommunizieren. Analytische Fähigkeiten, kritisches Denken und die Interpretation von Daten gewinnen an Bedeutung – entsprechend müssen das Qualifikationsprofil weiterentwickelt und die Abschlusstufe neu diskutiert werden.
Der Einbezug erfahrener Fachpersonen ist zentral. In partizipativen Settings können reale Anforderungen sichtbar gemacht werden, sofern die richtigen Fragen gestellt und der Austausch gezielt moderiert wird.
Die Prüfung soll praxisnah sein und Fachkompetenz, kritisches Denken sowie Kommunikationsfähigkeit prüfen. KI und Software sollen als Hilfsmittel zugelassen werden. Ein vertretbarer Prüfungsaufwand und verlässliche, aussagekräftige sowie objektive Prüftungsergebnisse sind entscheidend.
Wir haben das Berufsbild gemeinsam erarbeitet. Meine Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag, ebenso jene der anderen Teilnehmenden, bildeten die Grundlage für das Gesamtbild. Jede und jeder findet am Ende einen Teil der eigenen Tätigkeit wieder.
Sie nahmen an allen bisherigen Workshops im Rahmen der Revision teil. Wie haben Sie diese erlebt?

Die Atmosphäre war offen und produktiv. Es kam zu interessanten und teilweise lebhaften Diskussionen, aber am Ende konnten wir konstruktive Vorschläge und Visionen erarbeiten. Das hat mich sehr positiv beeindruckt und ich denke, alle Teilnehmenden konnten auch persönlich profitieren. Ihnen war es wichtig, das Berufsbild realistisch und korrekt abzubilden, jedoch auch Spielraum für Veränderungen zu wahren.
Das sehr breite Tätigkeitsfeld des Berufs – sei es in Universitätskliniken, in der Rehabilitation, Psychiatrie, in Versicherungen bis hin zu Verbänden. Aber auch regionale Unterschiede zwischen den Sprachregionen sind mir aufgefallen.
Einerseits war es eine anspruchsvolle Aufgabe, die Realität eines Arbeitsalltages mit den Besonderheiten und Anforderungen der medizinischen Kodierung so darzustellen, dass sie den Vorgaben eines Qualifikationsprofils entspricht. Andererseits galt es zu berücksichtigen, dass fundiertes medizinisches Fachwissen zentral ist, um die Tätigkeit medizinischer Kodierer:innen gut auszuführen. Es war also alles andere als trivial, die komplexen Zusammenhänge des Berufs adäquat abzubilden.
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz wird den Beruf stark prägen – mit neuen Chancen, aber auch neuen Anforderungen und Herausforderungen für die Medizinischen Kodierer:innen. Dies könnte künftig mit einem Diplom auf der Stufe einer Höheren Fachprüfung sichtbar werden.
Beitragsbild: Gruppenfoto des Zukunftsworkshops, an welchem sich Teilnehmende aus allen Landesteilen mit der Frage auseinandersetzten, welche Zukunftstrends für das Berufsbild Medizinische:r Kodierer:in relevant sind. Die Resultate dieser Analyse flossen danach in das Qualifikationsprofil ein.