
Das Spital Bülach hat sein «Bülacher Modell» seit 2024 weiterentwickelt. Das Modell mit neu vier Stufen «Fix», «Flex Day», «Flex» und «Super Flex» bleibt im Grundsatz bestehen. Die Mitarbeitenden wählen eine Stufe, die zu ihrer Lebenssituation passt, und können diese bei Bedarf alle drei Monate wechseln. Je nach Flexibilität erhalten sie zusätzlich 100 bis 350 Franken pro Monat. Flexibilität und spontane Einsatzbereitschaft werden somit finanziell honoriert. So profitieren beispielsweise Eltern von fixen Arbeitszeiten, während andere Mitarbeitende durch ihre hohe Flexibilität ihr Gehalt aufbessern können.

Mit der neuen Stufe «Flex Day» wurde eine Lücke geschlossen. Sie eignet sich für Mitarbeitende, die flexibel einspringen können, aber bewusst auf Nachtdienste verzichten möchten. Sie wird vor allem von Mitarbeitenden gewählt, die dort arbeiten, wo per se keine Nachtdienste vorgesehen sind, wie in der Tagesklinik.
Zudem erhöhen angepasste Regeln bei den Einspringverpflichtungen die Flexibilität. Statt fix einmal im Monat, verpflichten sich Mitarbeitende nun zu zwölf Einsätzen pro Jahr. In der Stufe «Super Flex» sank die Zahl von monatlich zwei auf maximal 18 Einspringeinsätze pro Jahr. Zudem bleiben die Mitarbeitenden auf ihrer eigenen Station und helfen nicht mehr im ganzen Haus aus. Das stärkt den Zusammenhalt im Team und reduziert die Belastung.
Die Zahlen belegen den Erfolg: So sank die Fluktuationsrate von 17,6 Prozent im Jahr 2022 – vor Einführung des Modells – auf 5,7 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig sank der Bedarf an teurem Temporärpersonal auf der Bettenstation deutlich: von über 850 Einsätzen (2022) auf 4 Einsätze (2025). Solche flexiblen, partizipativen Arbeitszeitmodelle sind auch ein wirksamer Ansatz gegen Absentismus: Die Absenzenquote sank im selben Zeitraum von 5,1 auf 3,6 Prozent.

Auch wirtschaftlich geht die Rechnung bisher auf: Durch geringere Kosten für Temporär- und Vermittlung sowie weniger Absenzen spart das Spital Geld, das es gezielt in verbesserte Anstellungsbedingungen der Mitarbeitenden investieren kann. Unter dem Strich ist die Bilanz also klar positiv – die höhere Zufriedenheit, die niedrigere Fluktuation und der tiefere Absentismus noch nicht miteinberechnet.
Inzwischen wurden weitere Modelle auch auf Bereiche wie das Labor, die Radiologie und die Endoskopie übertragen. Für den Rettungsdienst erarbeitet das Spital Bülach derzeit ein eigenes Modell, das auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ausgerichtet ist. So soll Überzeit im Rettungsdienst beispielsweise neu wochenweise am Stück bezogen und damit frühzeitig zusammen mit den Ferienwochen geplant werden können.
Ergänzend zum Arbeitszeitmodell setzt das Spital auf ein umfassendes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) mit Führungskräfteentwicklung, ergonomischer Infrastruktur, Gesundheitsförderung und gezielten Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die angestrebte Zertifizierung als «Friendly Work Space» sowie die kontinuierliche werte- und stärkenorientierte Führungskräfteentwicklung nach dem PERMA-Lead-Konzept unterstützen ein gesundes und motivierendes Arbeitsumfeld. Auch in Zukunft soll das «Bülacher Modell» gemeinsam mit den Mitarbeitenden weiter verbessert werden.
Weitere Informationen:
Arbeitszeitmodell Pflege | Spital Bülach
Leitbild, Strategie und Führungskonzept | Spital Bülach
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) | Spital Bülach
Beitragsbild: Das Bülacher Arbeitszeitmodell wirkt auch gegen Absentismus – es wird gemeinsam mit den Mitarbeitenden stets weiterentwickelt. (Foto: Spital Bülach)