
Diabetesfachberater:in, Diätköchin/Diätkoch, Sicherheitsspezialist:in, Medizinische Kodier:in mit eidgenössischem Diplom oder Fachausweis: Dies sind Abschlüsse mit einer qualitativ hochstehenden und eidgenössisch geregelten Ausbildung. Sie werden jedoch wenig genutzt und geraten sogar in Vergessenheit, wie z.B. die eidgenössischen Fachexpert:innen in Nephrologiepflege oder in Psychiatriepflege. Dies, obwohl es häufig keine adäquate Alternative für diese wichtigen Qualifikationen gibt.

Das Beispiel Fachexpert:innen in Diabetesfachberatung HFP zeigt die Problematik deutlich auf: Die Anzahl der Diabetes-Betroffenen steigt, wohingegen die Zahl der ausgebildeten Fachpersonen stark rückläufig ist. Dies auch deshalb, weil angehende Fachexpert:innen in Diabetesfachberatung oft nur einen Praktikant:innen-Lohn erhalten, obwohl sie als Voraussetzung ein Bachelor oder HF-Diplom in Pflege sowie mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen müssen. Viele der interessierten Personen finden ferner keinen Ausbildungsplatz. Diabetolog:innen müssen daher auf andere Fachpersonen ausweichen, die nicht immer über die gleich spezifischen Kompetenzen verfügen.
Berufsprüfungen
Fachfrau/Fachmann in psychiatrischer Pflege und Betreuung FA
Fachfrau/Fachmann in Langzeitpflege und -betreuung FA
Spezialist:in für angewandte Kinästhetik FA
Berater:in für Atembehinderungen und Tuberkulose FA
Berater:in für respiratorische Erkrankungen FA
Fachfrau/Fachmann für neurophysiologische Diagnostik FA
Fachfrau/Fachmann für Rehatechnik FA
Fachzahntechniker:in für Kieferorthopädie FA
Medizinische:r Kodierer:in FA
Medizinische:r Masseur:in FA
Medizinische:r Praxiskoordinator:in klinischer Richtung FA
Medizinische:r Praxiskoordinator:in praxisleitender Richtung FA
Spezialist:in Bewegungs- und Gesundheitsförderung FA
Transportsanitäter:in FA
Teamleiter:in in sozialen und sozialmedizinischen Organisationen FA
Bereichsleiter:in Hotellerie-Hauswirtschaft FA
Chefköchin/Chefkoch FA
Diätköchin/Diätkoch FA
Fachfrau/Fachmann in Gesundheitsinstitutionen FA
Sicherheitsspezialist:in in Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens FA
Höhere Fachprüfungen
Fachexperte:in in Diabetesfachberatung HFP
Fachexperte:in Infektionsprävention und Spitalhygiene HFP
Fachexpert:in in Nephrologie HFP*
Fachexpert:in in Onkologiepflege HFP
Fachexpert:in in Palliative Care HFP*
Berater:in Frühe Kindheit HFP
Fachexpert:in Operationsbereich HFP
Fachexpert:in in Psychiatriepflege HFP*
Fachexpert:in in geriatrischer und psychogeriatrischer Pflege HFP*
Experte:in in biomedizinischer Analytik und Labormanagement HFP
Expert:in für Zytodiagnostik HFP
Experte:in Bewegungs- und Gesundheitsförderung HFP
Komplementärtherapeut:in HFP
Naturheilpraktiker:in HFP
Orthopädist:in dipl. Expert:in in Gesundheitsinstitutionen HFP
Leiter:in von sozialen und sozial-medizinischen Organisationen HFP
*Prüfung derzeit inaktiv
Dies erstaunt angesichts der Vorteile von Abschlüssen der höheren Berufsbildung (HBB). Denn sie werden erstens national reguliert und sind somit gesamtschweizerisch anerkannt. Zweitens sind sie im nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) eingebettet und damit auch international eingestuft. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Weiterbildungen, die dem freien Markt entsprungen sind (CAS, DAS, MAS).
Wenig bekannt ist auch, dass der Bund bis zu 50 Prozent der Weiterbildungskosten übernehmen kann. Die Hälfte der Kosten für die vorbereitenden Kurse werden nach Ablegen der Prüfung den Absolvierenden zurückerstattet (Subjektfinanzierung). Dies könnte ein weiterer Anreiz sein, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, da die Institutionen und Absolvierenden finanziell entlastet werden.
Eidgenössische Prüfungen bedingen allgemein eine initiale Investition. Absolvierende verdienen während der Ausbildung i.d.R. mindestens den Lohn des angestammten Berufes, der meist auch eine Voraussetzung für die eidgenössische Prüfung darstellt. Die Produktivität im neuen Aufgabenbereich steigert sich im Lauf der Ausbildung. Als Nachteil von Abschlüssen wie z.B. Fachexpert:in Diabetesfachberatung HFP werden steigende Lohnkosten genannt.
Doch das Beispiel der Fachexpert:innen in Infektionsprävention und Spitalhygiene zeigt, dass es sich um hoch kompetente Fachpersonen handelt, die einen nachhaltigen Mehrwert schaffen. Und anders als bei jungen Lernenden wie FaGe, können diese Fachexpert:innen nach Abschluss mittels Verpflichtung an den Betrieb gebunden werden, um die entstandenen Kosten zu amortisieren.
Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz (25.046) werden die englischsprachigen Titelzusätze Professional Bachelor und Professional Master eingeführt. Es ist zu erwähnen, dass dieser Titelzusatz nicht mit einem Kompetenzzuwachs, nicht mit zusätzlichen Befugnissen und somit nicht per se mit einem Lohnanstieg einhergeht. H+ sieht bei diesen Titelzusätzen v.a. die Herausforderung, dass zwei Titel drei Abschlussstufen abdecken, nämlich Höhere Fachschule (HF), Berufsprüfung (BP) sowie Höhere Fachprüfung (HFP).
Doch hinsichtlich der BP- und HFP-Abschlüsse könnten die englischsprachigen Titelzusätze das Marketing vereinfachen. Die bekannten Titel Bachelor und Master könnten auch im zunehmend akademisierten Gesundheitswesen die Wiedererkennung und die Attraktivität erhöhen.
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