
Wenn Ärzt:innen die ersten Berufsjahre im Spital absolvieren, kann es für sie herausfordernd sein, sich an die gegebenen Abläufe anzupassen – wenn die eigene Leistungsbereitschaft auf fachliche Leistungsanforderungen, und persönliche Erwartungen auf eine vorgegebene Arbeitsorganisation und eine gewachsene Spitalkultur treffen.
Der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (vsao) bietet Hilfestellungen, um junge Ärzt:innen dabei zu unterstützen, Veränderungen in Spitälern anzustossen:
Das Kennenlernen der betrieblichen Sichtweisen führt jedoch zur Möglichkeit, diese mit einem frischen Blick zu betrachten und konstruktiv-kritisch zu hinterfragen. Es gibt dann keine dummen Fragen, sondern nur professionelle Antworten. Das Hinterfragen zeigt ein tiefes Interesse am Arbeitsplatz und Umfeld. Da junge Ärzt:innen in der Regel nicht an Betriebsblindheit leiden, können sie also eine wertvolle Ressource für Verbesserungsansätze und Veränderungsimpulse in der spitalbetrieblichen Patientenversorgung sein.
In einer klinischen Arbeitswelt, in der es für die jungen Mitarbeitenden schwierig ist, ihr Arbeitsvolumen innert der vertraglichen Arbeitszeit zu erledigen, haben Ideensammlungen und Verbesserungsvorschläge keinen leichten Stand. Um zu guten gemeinsamen Veränderungsentscheidungen zu kommen, ist es sinnvoll, das betriebliche Gesamtsystem im Auge zu behalten. Die Idee, die Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, soll sowohl den Patient:innen, den Spitälern als Arbeitgeber, als auch den Mitarbeitenden zugutekommen.
Niemand mag Veränderungen in seinem beruflichen Umfeld, wenn deren Auswirkungen ungewiss sind und sie bisherige Sichtweisen und Verhaltensmuster unter hohen Veränderungsdruck setzen. Ein Spitalbetrieb, der die Vorschläge und Ideen der Mitarbeitenden unabhängig von der Dauer ihrer Anstellung wertschätzt, ermöglicht persönliche Motivation und Teilhabe an innerbetrieblichen Entwicklungsprozessen.
Dazu braucht es im arbeitsintensiven Klinikalltag ärztliche Führungspersonen, die klar ihre Bereitschaft signalisieren, Verbesserungsideen unvoreingenommen zu evaluieren. Treffen die unbefangenen Überlegungen der jungen Ärzteschaft auf Gelassenheit und eine menschenfreundliche Grundhaltung der Führungspersonen, wird nützliche Veränderung möglich. Unter jungen Ärzt:innen spricht es sich ferner herum, welche Spitäler sich durch solche Führungshaltungen auszeichnen.

Viele Veränderungsansätze basieren auf gemeinsamen Interessen aller Beteiligten, z.B. mehr Zeit für patientennahes Arbeiten statt überbordende Bürokratie. Darüber hinaus zeigen Erfahrungen, dass mehr Gestaltungsspielräume, z.B. beim spitalinternen Patienten-Flow-Management innerhalb eines vorgegebenen Ressourcen-, Ziel- und Werterahmens, zu mehr Arbeitszufriedenheit und Versorgungsqualität führen.
Wenn sich Beschäftigte in innerbetrieblichen Organisationsprojekten regelmässig zu Problemen und Verbesserungsmöglichkeiten in ihren Leistungsbereichen austauschen können, kommen bisher ungenutzten Chancen meist rasch auf den Tisch. Viele auf die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden ausgerichtete Entwicklungsprojekte in Spitälern zeigen das deutlich.
Zu wissen, was getan werden müsste, bedeutet noch nicht, es auch tatsächlich umsetzen zu können. Junge Ärzt:innen sind im Vorteil, weil sie andere Sichtweisen und neue Ideen einbringen können. Das Spital, die Führungskader – und letztlich alle Beteiligten – können daher profitieren, wenn fachlich hoch ausgebildete junge Menschen mit fundierter Analysefähigkeit, Motivation und Leistungsbereitschaft, systematisch in klinikbetriebliche Verbesserungs- und Optimierungsprozesse eingebunden werden.
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