
Für Dr. med. Antoine Garnier, stellvertretender Chefarzt und Leiter der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin am Freiburger Spital (HFR), beginnt Innovation im Spitalwesen in der täglichen Arbeitsorganisation.
Die Zukunft des Gesundheitssystems hängt von der Fähigkeit der Ärzteschaft ab, sich gemeinsam für institutionellen Wandel einzusetzen.

Aufgrund seiner Erfahrungen am CHUV und in mehreren anderen Spitälern stellt er fest, dass nicht alle Führungsstrukturen den gleichen Spielraum bieten, um Entscheidungen zu beeinflussen. «Die Organe sind jeweils dieselben, aber ihr Handlungsspielraum ist nicht derselbe», betont er.
Dr. Garnier warnt vor einem immer stärkeren Rückzug der Ärzt:innen aus der Governance: «Die Medizin ist ein Führungsberuf. Die Ausübung von Führungsaufgaben und die Übernahme von Verantwortung müssen Teil unserer DNA sein.» Ein Verzicht darauf würde bedeuten, die Medizin auf eine rein technische Funktion zu reduzieren.
Institutionelle Verantwortung von Ärzt:innen entsteht ab Karrierebeginn durch konkrete Anpassungen in der täglichen Organisation. Daraus können sich formellere Funktionen entwickeln. Die Optimierung von Arbeitsbedingungen reicht jedoch nicht aus, ohne die Sinnfrage zu stellen: «Eine Änderung der Besuchszeiten nützt nichts, wenn man sich nicht mit dem Sinn der medizinischen Arbeit auseinandersetzt.» Für Dr. Garnier hängt die Zukunft des Gesundheitssystems von der Fähigkeit der Ärzteschaft ab, sich gemeinsam für institutionellen Wandel einzusetzen.
Beitragsbild: HFR / Charly Rappo