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2. Dezember 2025

Background

Universitätsspital Basel

Nachhaltige Transformation und personzentrierte Praxis

Advanced Facilitator:innen spielen im Gesundheitswesen im Rahmen von Veränderungen in der Praxis eine zentrale Rolle. Beispiele zeigen, wie Advanced Facilitation in der Praxis Anwendung findet.
Competence Mayuri Sivanathan

Autorin

Mayuri Sivanathan

Solothurner Spitäler AG, Spital Dornach

mayuri.sivanathan@spital.so.ch

Competence Susanne Knüppel Lauener

Dr.

Susanne Knüppel Lauener

Universitätsspital Basel

susanne.knueppel@usb.ch

In der sich ständig wandelnden Gesundheitsversorgung sind Spitäler und Kliniken sowie Gesundheitsfachpersonen aufgefordert, Veränderungen aktiv anzugehen, um eine effektive, sichere Patientenversorgung sicherzustellen. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Methodologie Praxisentwicklung, die sowohl Patient:innen als auch Fachpersonen in den Mittelpunkt des Geschehens stellt.1 Bei der Transformation im Rahmen der Praxisentwicklung spielen Advanced Facilitator:innen eine entscheidende Rolle.

Praxisbeispiel mit Advanced Facilitation

Eine bevorstehende Veränderung in der Organisationsstruktur mit zwei neuen Organisationseinheiten sowie Führungswechsel sorgte im Pflegeteam für Unsicherheit und Widerstand.

Durch Bildung von Arbeitsgruppen und Identifizierung von Multiplikatoren wurden Betroffene zu Beteiligten.

Die neue Führungsperson machte sich zuerst einen Überblick zu den vorhandenen Strukturen, Prozessen und Mitarbeitenden z. B. durch Gemba-Walks und Standortgespräche. Sechs Monate lang folgten Interventionen mit dem Ziel, gemeinsam mit dem Team, die Arbeitskultur positiv zu beeinflussen: die Führungsperson zeigte Präsenz, z. B. an Huddles und in interprofessionellen Austauschgefässen. Durch Bildung von Arbeitsgruppen und Identifizierung von Multiplikatoren wurden Betroffene zu Beteiligten.

So wurden Themen gemeinsam bearbeitet, Bedürfnisse geteilt, angegangen und damit erste Erfolge sichtbar gemacht. Durch diese neue Arbeitsform nahm der Widerstand gegenüber der veränderten Organisationsstruktur ab; im Gegenzug kehrte Stabilität und Ruhe im Team ein. Es zeigten sich erste Anzeichen für Zuversicht und Chancen.

Venus-Modell

Das studienbasierte Venus-Modell2 beschreibt, wie eine nachhaltige personzentrierte3 Transformation der Mitarbeitenden ermöglicht werden kann. Personzentriert bedeutet u. a., dass die Mitarbeitenden die Akteur:innen der Transformation sind. Die Transformation bezieht sich auf alle Ebenen einer Organisation (Personen, Teams und Institution).

Das Venus-Modell beschreibt fünf Schlüsselfähigkeiten: Facilitation, Innovation, Leadership, Kulturveränderung und Praxisentwicklung.

Zur erfolgreichen Begleitung einer nachhaltigen kulturellen Transformation zur personzentrierten Praxis benötigen Advanced Facilitator:innen spezifische Fähigkeiten, die im Venus-Modell mit fünf Schlüsselfähigkeiten beschrieben werden: Facilitation, Innovation, Leadership, Kulturveränderung und Praxisentwicklung. Die Anwendung dieser Schlüsselfähigkeiten können ihr Potenzial zu einer effektiven Transformation nur entfalten, wenn sie sich gegenseitig ergänzen.

Wie eine Advanced Facilitator:in wirkt, zeigen wir am Beispiel der Schlüsselfähigkeit Facilitation. Sie erfolgt durch Aktivitäten, die Aktives Lernen, Entwicklung und Verbesserung am Arbeitsplatz stattfinden lassen. Personen und Teams werden so befähigt, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und wirksamer zu werden.

Das VENUS-Modell (Manley, & Jackson, 2020; übersetzt ins Deutsche durch die Autorinnen). (Grafik: zvg Sivanathan, 2025)

Diskussion

Advanced Facilitator:innen fördern und sichern ein Arbeitsumfeld, in dem sich Mitarbeitende wohlfühlen und engagieren. Das Team hat neue Austauschgefässe erarbeitet und diese auch in die neue Organisationsstruktur eingebracht. In diesen Gefässen können sich Mitarbeitende einbringen und engagieren. Zudem wurden sie befähigt, ihren Handlungsspielraum bewusst wahrzunehmen. Die Zusammenarbeit im Team hat den Beziehungsaufbau mit der Führungsperson gefördert und Vertrauen aufgebaut. Um die Nachhaltigkeit solcher Transformationen zu sichern, erforderte es ein kontinuierliches Engagement der Advanced Facilitator:in, insbesondere in komplexen Situationen, die erforderlichen Interventionen zu identifizieren, anzugehen und zu evaluieren.

Weitere Autorinnen

  • Kathrin Horlacher, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel, Direktion Pflege, MTTD, Soziale Arbeit, Kathrin.Horlacher@upk.ch
  • Nisreen Sidani, Universität Luzern, Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin, nisreen.sidani@unilu.ch
  • Rebekka Clemens, Klinikum Darmstadt GmbH, Darmstadt, rebekka.stetzenbach@gmx.de
  • Sibylle Reick, Florence-Nightingale-Krankenhaus Düsseldorf, Departement für Pflege­wissenschaft, Universität Witten/Herdecke, sibylle.reick@uni-wh.de

Literatur

1Frei, I.A., Auer C., Hirter, K., & Von Dach, C. in Von Dach, C., & Mayer, H. (Hrsg.) (2023). Personzentrierte Pflegepraxis. Grundlagen für Praxis­entwicklung, Forschung und Lehre. Bern: Hogrefe Verlag.

2Manley, K., & Jackson, C. (2020). The Venus model for integrating practitioner-led workforce transformation and complex change across the health care system. Journal of evaluation in clinical practice, 26(2), 622–634. https://doi.org/10.1111/jep.13377

3Die Konsensus Konferenz der drei deutschsprachigen Länder hat sich für «Personzentriert» entschieden, da es sich um das Individuum handelt. Dieser Begriff wird auch entsprechend in der Literatur verwendet. Frei et al. (2023)

Beitragsbild: Canva

   

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