
In der sich ständig wandelnden Gesundheitsversorgung sind Spitäler und Kliniken sowie Gesundheitsfachpersonen aufgefordert, Veränderungen aktiv anzugehen, um eine effektive, sichere Patientenversorgung sicherzustellen. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Methodologie Praxisentwicklung, die sowohl Patient:innen als auch Fachpersonen in den Mittelpunkt des Geschehens stellt.1 Bei der Transformation im Rahmen der Praxisentwicklung spielen Advanced Facilitator:innen eine entscheidende Rolle.
Eine bevorstehende Veränderung in der Organisationsstruktur mit zwei neuen Organisationseinheiten sowie Führungswechsel sorgte im Pflegeteam für Unsicherheit und Widerstand.
Die neue Führungsperson machte sich zuerst einen Überblick zu den vorhandenen Strukturen, Prozessen und Mitarbeitenden z. B. durch Gemba-Walks und Standortgespräche. Sechs Monate lang folgten Interventionen mit dem Ziel, gemeinsam mit dem Team, die Arbeitskultur positiv zu beeinflussen: die Führungsperson zeigte Präsenz, z. B. an Huddles und in interprofessionellen Austauschgefässen. Durch Bildung von Arbeitsgruppen und Identifizierung von Multiplikatoren wurden Betroffene zu Beteiligten.
So wurden Themen gemeinsam bearbeitet, Bedürfnisse geteilt, angegangen und damit erste Erfolge sichtbar gemacht. Durch diese neue Arbeitsform nahm der Widerstand gegenüber der veränderten Organisationsstruktur ab; im Gegenzug kehrte Stabilität und Ruhe im Team ein. Es zeigten sich erste Anzeichen für Zuversicht und Chancen.
Das studienbasierte Venus-Modell2 beschreibt, wie eine nachhaltige personzentrierte3 Transformation der Mitarbeitenden ermöglicht werden kann. Personzentriert bedeutet u. a., dass die Mitarbeitenden die Akteur:innen der Transformation sind. Die Transformation bezieht sich auf alle Ebenen einer Organisation (Personen, Teams und Institution).
Zur erfolgreichen Begleitung einer nachhaltigen kulturellen Transformation zur personzentrierten Praxis benötigen Advanced Facilitator:innen spezifische Fähigkeiten, die im Venus-Modell mit fünf Schlüsselfähigkeiten beschrieben werden: Facilitation, Innovation, Leadership, Kulturveränderung und Praxisentwicklung. Die Anwendung dieser Schlüsselfähigkeiten können ihr Potenzial zu einer effektiven Transformation nur entfalten, wenn sie sich gegenseitig ergänzen.
Wie eine Advanced Facilitator:in wirkt, zeigen wir am Beispiel der Schlüsselfähigkeit Facilitation. Sie erfolgt durch Aktivitäten, die Aktives Lernen, Entwicklung und Verbesserung am Arbeitsplatz stattfinden lassen. Personen und Teams werden so befähigt, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und wirksamer zu werden.

Advanced Facilitator:innen fördern und sichern ein Arbeitsumfeld, in dem sich Mitarbeitende wohlfühlen und engagieren. Das Team hat neue Austauschgefässe erarbeitet und diese auch in die neue Organisationsstruktur eingebracht. In diesen Gefässen können sich Mitarbeitende einbringen und engagieren. Zudem wurden sie befähigt, ihren Handlungsspielraum bewusst wahrzunehmen. Die Zusammenarbeit im Team hat den Beziehungsaufbau mit der Führungsperson gefördert und Vertrauen aufgebaut. Um die Nachhaltigkeit solcher Transformationen zu sichern, erforderte es ein kontinuierliches Engagement der Advanced Facilitator:in, insbesondere in komplexen Situationen, die erforderlichen Interventionen zu identifizieren, anzugehen und zu evaluieren.
Weitere Autorinnen
Literatur
1Frei, I.A., Auer C., Hirter, K., & Von Dach, C. in Von Dach, C., & Mayer, H. (Hrsg.) (2023). Personzentrierte Pflegepraxis. Grundlagen für Praxisentwicklung, Forschung und Lehre. Bern: Hogrefe Verlag.
2Manley, K., & Jackson, C. (2020). The Venus model for integrating practitioner-led workforce transformation and complex change across the health care system. Journal of evaluation in clinical practice, 26(2), 622–634. https://doi.org/10.1111/jep.13377
3Die Konsensus Konferenz der drei deutschsprachigen Länder hat sich für «Personzentriert» entschieden, da es sich um das Individuum handelt. Dieser Begriff wird auch entsprechend in der Literatur verwendet. Frei et al. (2023)
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