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5. April 2022

Trend

sitem-insel AG

Nachbarn in Wissenschaft und Innovation treffen sich

Die Behandlung von akutem Lungenversagen erfordert neue Medikamente. Deren Entwicklung rasch voranzutreiben, bedingt vereinte Kräfte im Translationsprozess. Innovation trifft auf fundiertes Pharmawissen und Grundlagenforschung. Die Plattform dafür bietet sitem-insel.
Competence Stefanie Hofer

Stefanie Hofer

Chief Communications Officer & Human Resources, sitem-insel AG

stefanie.hofer@sitem-insel.ch

Competence Jasmin Joller

Jasmin Joller

Sr. Communications Partner R&D, CSL Behring AG

jasmin.joller@cslbehring.com

Steht man im Erdgeschoss des Schweizerischen In­sti­tuts für Translationale Medizin und Unternehmertum (sitem-insel) und hebt den Blick nach oben, so erkennt man sofort, dass das imposante Glasgebäude mit seinen transparenten Büros und quasi schwebenden Treppen im Geist des Austauschs und einer offenen Innovationskultur entstand.

Innovation im medizinischen Bereich ist gleichbedeutend mit Translationaler Medizin: Der Übertragung neuer Erkenntnisse und Produkte aus industrieller Entwicklung und Grundlagenforschung in die klinische Anwendung.

So erforschen unter dem Dach von sitem-insel zum Beispiel die Universitätsklinik für Pneumologie des Berner Inselspitals, das junge Berner Biotech Startup AlveoliX und CSL Behring, einer der weltweit grössten Hersteller von Biotherapeutika, gemeinsam die Behandlung des Acute Respiratory Distress Syndroms (ARDS) – ein akutes Lungenversagen, auch akutes Atemnotsyndrom genannt, und dessen Folgen.

AX12 Well-Chip von AlveoliX, bereit für die Züchtung von zwölf Lungenbläschen, um neue Medikamente zu testen. (Foto: AlveoliX)

Enge Zusammenarbeit zum Wohl der Patient:innen

«Zu einem akuten Lungenversagen kann es durch verschiedene schädliche Einflüsse wie Inhalationstraumata und systemische oder pulmonale Infektionen, wie zum Beispiel bei COVID-19 kommen», erklärt Prof. Dr. med. Manuela Funke-Chambour, Chefärztin an der Universitätsklinik für Pneumologie des Berner Inselspitals. Durch die aktuelle Pandemie wird das Auftreten eines ARDS bei schweren COVID-19-Verläufen derzeit gehäuft beobachtet. Um die Entstehung und Entwicklung von ARDS besser zu verstehen und auf dieser Basis die Entwicklung neuer Medikamente zu dessen Behandlung voranzutreiben, arbeitet die Universitätsklinik für Pneumologie des Inselspitals Bern unter der Leitung von Prof. Thomas Geiser mit AlveoliX und der Forschungsabteilung von CSL Behring eng zusammen. Zudem entwickelt Prof. Dr. med. Funke-Chambour zusammen mit CSL Behring neue Ex-vivo-Modelle der Lunge.

«Seit 2020 entwickeln wir in unserem Labor in sitem-insel sogenannte Organs-on-Chip-Modelle; das sind In-vitro-Modelle, die die Struktur und Funktion menschlicher Organe möglichst genau abbilden. Ausserdem hoffen wir, mit unserer Technologie künftig immer mehr Tierversuche ersetzen zu können», erklärt Dr. Nina Hobi, CEO und Scientific Director des Biotech Startups AlveoliX. «Denn die Organs-on-Chip-Technologie ermöglicht es, die Funktionsweise unseres Körpers sehr genau nachzuahmen – zum Beispiel diejenige der menschlichen Lunge.»

Ein hervorragendes Modell also auch für die Forschung von CSL Behring. «Mit dem Modell von AlveoliX sind wir nahe an den physiologischen Bedingungen im Menschen und können dadurch neue Produktkandidaten in einer sehr frühen Phase der Entwicklung von Therapien zur Behandlung von Atemwegserkrankungen testen», so Adrian Zuercher, Head of Research Europe bei CSL Behring. Die Forschungsabteilung unter seiner Leitung, das CSL Biologics Research Center, ist seit 2019 in sitem-insel zu Hause. Neben der Zusammenarbeit mit Startups bietet der Standort auf dem Insel-Campus seiner Abteilung weitere Vorteile: «Wir arbeiten seit jeher mit Partnern aus dem Inselspital und der Universität Bern zusammen. Aber die Tatsache, dass unser Forschungszentrum sich jetzt quasi in Pantoffeldistanz dazu befindet, macht einen grossen Unterschied», so Zuercher.

sitem-insel liegt auf dem Insel Campus und profitiert von der Nähe zum Universitäts­spital (Inselspital) und zur Universität Bern. (Foto: Innosuisse – FDFA Switzerland)

Innovation zum Patienten bringen

Die Medizinaltechnik- und Pharmaindustrie sind Eckpfeiler der Schweizer Wirtschaft. Sie sind für ihre Produktentwicklung auf die Zusammenarbeit mit den Universitätsspitälern angewiesen. Die Translationale Medizin ist daher als prozessorientierte und akteurszentrierte Disziplin zu verstehen, die notwendigerweise zahlreiche Interessengruppen aus Industrie, Hochschule, Klinik und Behörden einbezieht.

Erst ermöglicht wird eine solch enge und vielfältige Zusammenarbeit zwischen Behörden, Forschung, Startup-Szene und Industrie also durch Institutionen wie sitem-insel. «Die Zusammenarbeit zwischen Inselspital, AlveoliX und CSL Behring illustriert eindrücklich, dass eine erfolgreiche Translation von einer intensiven Interaktion zwischen öffentlichen und privaten Akteuren aus verschiedenen Bereichen abhängt», so Simon Rothen, CEO von sitem-insel. «Es sind diese Erfolgsgeschichten, die Public Private Partnerships (PPP) wie sitem-insel anstreben und ermöglichen – indem wir durch das Vernetzen von Menschen Innovationen zu den Patient:innen bringen.»

Beitragsbild: Das Glasgebäude von sitem-insel ist Ausdruck für die Offenheit und multidisziplinäre Zusammenarbeit, die darin praktiziert wird. (Foto: CSL Behring)

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