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10. Juni 2025

Spital der Zukunft

Modell einer Patientenzentrierten Progressiven Versorgung

Gemeinsam das System rund um die Patient:innen gestalten

Das Universitätsspital Basel (USB) und seine rund 30 Partnerinstitutionen in der Schweiz und im Ausland verbinden über 200 verschiedene Kooperationen und es werden laufend mehr. Eine besonders enge Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinweg verbindet das USB und das Hôpital du Jura.
Competence Sabrina Gänsbacher

Autorin

Sabrina Gänsbacher

Dr. med. univ., Bakk.rer.nat., MPH, eMBA HSG, Leiterin Direktionsstab, Universitätsspital Basel

direktionssekretariat@usb.ch

Competence Yannik Mercier

Autor

Dr. med.

Yannik Mercier

Medizinischer Direktor, Hôpital du Jura

yannick.mercier@h-ju.ch

Die Forderungen an die Schweizer Spitallandschaft kommen aus allen Richtungen und nehmen alle möglichen Formen an. Sparen, zentralisieren, abbauen, umbauen usw. Das Universitätsspital Basel (USB) als Rückgrat der Gesundheitsversorgung in der Nordwestschweiz bietet von der Grundversorgung bis zur Maximalversorgung mit hochspezialisierter Medizin die ganze Palette der Leistungen und Ausbildungen an, die das Gesundheitswesen braucht.

Gemeinsame Planung der Patient Journey

Das USB hat ein Modell der Patientenzentrierten Progressiven Versorgung entwickelt und setzt dieses schrittweise um. Dabei werden die Leistungen so nah wie möglich am Patienten, an der Patientin erbracht. Im Zentrum des Modells stehen die Patient:innen und ihre individuellen Bedürfnisse. Die Grundversorgung soll so nah wie möglich an ihrem Wohnort stattfinden. Je spezialisierter der Bedarf, desto näher rückt die Behandlung an das Zentrumsspital.

Je spezialisierter der Bedarf, desto näher rückt die Behandlung an das Zentrumsspital.

Dieses Konzept ermöglicht es, die Patient:innen wohnortnah kompetent zu versorgen und gleichzeitig die Expertise und Ressourcen des Universitätsspitals bestmöglich zu nutzen. Zentral ist dabei die enge Absprache zwischen den jeweiligen Behandlungsteams und die gemeinsame Planung der Patient Journey – die Kombination der Expertise vor Ort mit jener des USB. Dieses Modell hat das USB erfolgreich und zur grossen Zufriedenheit aller Beteiligten – vor allem auch der Patient:innen – mit dem Hôpital du Jura (HJU) etabliert.

Enge Kooperation über den Röstigraben hinweg

Das Progressive Versorgungsmodell ist aus einer intensiven Zusammenarbeit des USB mit dem HJU seit Beginn der 2000er Jahre hervorgegangen. 2014 wurde sie erstmals in einem Vertrag formalisiert und seither stetig ausgebaut. Den rechlichen Rahmen bilden über dreissig bilaterale, fachgebietsspezifische Kooperationsvereinbarungen. Gesteuert wird die Zusammenarbeit über regelmässige Treffen auf operativer und strategischer Ebene. Die Spitalliste des Kantons Jura anerkennt diese extrakantonale Partnerschaft zwischen dem USB und dem HJU explizit – eine schweizweite Innovation.

Das USB unterstützt die direkte Versorgung vor Ort im Hôpital du Jura u.a. mit der Entsendung von USB-Ärzt:innen an das HJU, mit Telekonsilien, mit der Übernahme von Hintergrund- und Bereitschaftsdiensten, der Übernahme von medizinischen Dienstleistungen sowie der Weiterbildung von jurassischen Ärzt:innen und deren Supervision vor Ort. Dazu gehört auch die partnerschaftliche Unterstützung bei personellen Engpässen, auch kurzfristig. Ebenso haben die beiden Institutionen Netzwerk-Partnerschaften etabliert, z. B. jene des Basler Brustzentrums mit dem Brustzentrum HJU.

 Progressive Versorgungsmodell USB
Eine Herausforderung, die es bei der Kooperation des Universitätsspitals Basel mit dem Hôpital du Jura zu bewältigen gilt, ist die Sprachbarriere. Das USB arbeitet intensiv an den Französischkenntnissen seiner Mitarbeitenden. (Foto: Canva)

Rund fünf Prozent der Patient:innen am USB stammen aus dem Kanton Jura. Bei diesen Patient:innen liegt der Case Mix Index deutlich über dem Schnitt des USB. Dies ist ein Indikator, dass das Modell funktioniert: Es kommen überwiegend sehr kranke Patient:innen ins Zentrum, die weniger komplexen Fälle werden wohnortnäher versorgt. Aus Sicht der Spitalleiltung des HJU, spielt das HJU bei der komplexen Behandlung von jurassischen Patient:innen die Rolle des Eingangsportals mit Erstversorgung, ersten Untersuchungen und der gesamten Vorbereitung. Anschliessend werden die Patient:innen zur hochspezialisierten Versorgung, z.B. einem chirurgischen Eingriff, nach Basel verlegt, ­bevor sie zur weiteren Behandlung und eventuellen Rehabilitation in ihr kantonales Spital zurückkehren – ganz im Sinne der Patient:innen.

Eine Herausforderung, die es dabei zu bewältigen gilt, ist die Sprachbarriere. Das USB arbeitet intensiv an den Französischkenntnissen seiner Mitarbeitenden und daran, alle Informationen in der zweiten Landessprache zur Verfügung zu stellen.

Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel

Die beiden Institutionen leisten gemeinsam einen Beitrag, um Versorgungsengpässe zu lindern. Bereits heute finden sich nur schwer Nachfolgende von Hausärzt:innen und Spezialist:innen, was die Versorgungssicherheit in den weniger dicht besiedelten Regionen gefährdet. Das USB und das HJU unterhalten gemeinsame Weiterbildungskooperationen und -Netzwerke – ein Beitrag, um auch künftig und langfristig eine optimale Versorgung im Kanton Jura zu sichern.

Das HJU hat ein grosses Zentrum für Allgemeinmedizin, MEDIQO SA, geschaffen. Diesem gelingt es, Ärzt:innen zu gewinnen, um Engpässe zu beheben. Zudem prüft das HJU weitere Lösungsansätze, wie Telemonitoring, um die wohnortnahe Betreuung und Versorgung zu verbessern.

Das Progressive Versorgungsmodell lebt und entwickelt sich stetig weiter. Dank gebührt allen Beteiligten, die bereit sind, ein System mitzuentwickeln, das die Patient Journey gezielt ins Zentrum stellt.

Beitragsbild: Canva

   

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