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4. Oktober 2022

Patientenpfad im Focus

Schweizer Forum für Integrierte Versorgung

Effiziente Patientenpfade in der Psychiatrie

Die Psychiatrie hat eine lange Erfahrung im Bereich der Integrierten Versorgung – Zusammenarbeit zwischen stationären, intermediären und ambulanten Leistungserbringenden ist selbstverständlich.
Competence Urs Hepp

Autor

Prof. Dr. med.

Urs Hepp

Vorstandsmitglied, Schweizer Forum für Integrierte Versorgung

hepp@hin.ch

Psychische Erkrankungen verlaufen oft rezidivierend und chronische Verläufe sind nicht selten. Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen erleiden häufig auch soziale Benachteiligungen. Eine erfolgreiche, auf Inklusion ausgerichtete Behandlung erfolgt interprofessionell und über die Grenzen der stationären und ambulanten Sektoren hinweg und endet auch nicht an der Grenze des medizinischen Systems. Somato-psychische Komorbiditäten sind häufig und erfordern eine enge Kooperation zwischen Psychiatrie und somatischer Medizin. Die Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie in den somatischen Spitälern leistet einen wesentlichen Beitrag zu einer umfassenden Behandlung.

Das Home Treatment in der Psychiatrie ist evidenzbasiert und kann stationäre Behandlungstage um mindestens 30 Prozent reduzieren.

Die Entwicklung ambulant vor stationär verfolgt die Psychiatrie seit langem und viele Menschen, die früher stationär behandelt wurden, profitieren heute von tagesklinischer Behandlung. Zunehmend wird die akute Behandlung auch ausserhalb der Klinik zu Hause, im gewohnten Umfeld psychisch kranker Menschen ermöglicht: Das Home Treatment in der Psychiatrie ist evidenzbasiert und kann stationäre Behandlungstage um mindestens 30 Prozent reduzieren. Auch hier ist die Psychiatrie der somatischen Medizin voraus, wo innovative Projekte wie «Hospital at home» erst am entstehen sind.

Neue Entwicklungen wie Telemedizin und Internetbasierte Therapien werden künftig die Psychiatrie weiter prägen. Gerade die Telemedizin hat während der Pandemie einen enormen Schub erlebt. Blended Therapy kombiniert psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mit Face-to-Face-Therapie. So können Teile der Diagnostik, aber auch Behandlungselemente wie z. B. Psychoedukation und Selbstlernprogramme ohne Qualitätseinbusse online erfolgen, und Fachkräfte entlasten.

Neue Entwicklungen wie Telemedizin und Internetbasierte Therapien werden künftig die Psychiatrie weiter prägen.

Die «Patient-Journey» sollte aber nicht dazu führen, dass Menschen mit psychischen Problemen nur noch administriert werden. Die Selbstbestimmung ist besonders psychisch belasteten Personen ein hohes und schützenswertes Gut. Der Recovery-Ansatz – auch mit einer psychischen Erkrankung ist ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben möglich – dient bei allen Behandlungsprozessen als Leitlinie. In der Diskussion um Value-based Healthcare ist die Psychiatrie hier der somatischen Medizin bereits eine Nasenlänge voraus.

Beitragsbild: Universitäre Psychiatrische Dienste Bern (UPD)

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